(books) vier arten die liebe zu vergessen

Im Alter von 15 Jahren war mein Lieblingsbuch “Das Herz ist eine miese Gegend” von Thommie Bayer. Und das blieb ziemlich lange so. Ich habe es etliche Male verschenkt und noch etlichere Male gelesen. Aus irgendeinem Grund hat die Geschichte von Giovanni und Laura mich zutiefst berührt.
Nun habe ich dieses Jahr, 15 Jahre später, endlich wieder ein Buch von Thommie Bayer gelesen. In “Vier Arten die Liebe zu vergessen” treffen sich vier ehemalige Klassenkameraden, genannt die Nachtigallen, sich am Grab ihrer Lehrerin wieder, durch die sie erst zu Freunden geworden sind. Erzählt wird die Geschichte vorrangig aus Michaels Sicht, doch durch etliche Wechsel der Erzählperspektive erfährt man viel über das Innenleben von Thomas, Bernd und Wagner. Schnell wird deutlich, dass sie alle an der Liebe gescheitert sind, aber auch dass man kaum vier unterschiedlichere Charaktere hätte finden können. Was die vier Nachtigallen vereint ist das Singen und ihre frühere Freundschaft. Ein Besuch bei Michael in Venedig führt zu einer Veränderung jedes Einzelnen und zeigt, ob es ihnen gelingt ihre Freundschaft wieder aufleben zu lassen.

Neben der Haupthandlung in der Gegenwart gibt es immer wieder Rückblicke aus Michaels Sicht. Durch die Rückblicke erfährt der Leser, wie sich die Nachtigallen kennen gelernt haben und Freunde wurden. Und wie das Leben sie auseinander gerissen hat bis sie sich am Grab ihrer Lehrerin wieder treffen.
Die Perspektivwechsel innerhalb der Handlung sind mit dem jeweiligen Namen versehen, so dass man keine Probleme hat zu erkennen, wer gerade spricht. Michaels Erzählungen machen zum Glück einen Großteil der Geschichte aus, denn er ist wesentlich sympathischer als die anderen.
An sich finde ich die Idee des Perspektivwechsels gut. So erfährt man wie der jeweilige Charakter die Situation empfindet und was er denkt. Außerdem erfährt der Leser hierdurch sehr schön, dass alle Vier Geheimnisse haben, die sie den anderen nicht erzählen, um das Bild vom perfekten Leben zu wahren. Als gäbe es einen Preis für das beste Leben ohne Schwachstellen zu gewinnen.
Für mich persönlich war jedoch die Mischung von Perspektivwechsel und Zeitsprüngen ein wenig zu viel der literarischen Kniffe.
Auch war ich ein wenig enttäuscht, es ist eben nicht “Das Herz ist eine miese Gegend”. Was jedoch nicht heißt, dass es kein gutes Buch war, im Gegenteil. Die Geschichte der vier Freunde, die die Zeit zusammen und wieder auseinander gebracht hat, hat mir gut gefallen und mich an vielen Stellen nachdenklich gemacht.
Der Großteil des Buches spielt sich in Venedig ab. Hier zeigt sich deutlich, wie gut Thommie Bayer Stimmungen einzufangen kann. Während dem Lesen bin ich durch die Gassen Venedigs spaziert, habe die Tauben auf dem Markusplatz gehört und das Tuckern der Müllboote. Ich habe die Paläste am Ufer vor meinem inneren Auge gesehen und die salzige Luft eingeatmet, während ich mit Michael auf dem Vaporetto über den Canal Grande gefahren bin.
Ich bin hin und her gerissen, wie mein abschließendes Fazit aussieht. Vier Arten die Liebe zu vergessen hat durchaus seine starken und atmosphärisch aufgeladenen Momente, leider aber auch einige schwächere Stellen. Insgesamt war es ein gutes Buch, aber eben kein hervorragendes.

(books) march tbr

Es ist März und der Frühling kommt in großen Schritten auf uns zu. Endlich kann man wieder Zeit in der Sonne verbringen, lange Spaziergänge durch die frühlingshafte Luft machen und kleine Abenteuer erleben. Meinen März-Bücherstapel habe ich ein wenig an meine derzeitige Stimmung angepasst, damit meine täglichen Busfahrten nur so vorbei fliegen.
Ich hatte in meinem Wrap up für den Februar bereits erwähnt, dass ich jeden Monat mindestens drei Bücher lesen möchte und diese auch bestimmten Vorgaben unterliegen. Damit dieser bedenklich schwankende Turm an ungelesenen Büchern endlich kleiner wird.

Das erste Buch nehme aus dem Februar in den März mit. Americanah von Chimamanda Ngozi Adichie habe ich von der Mitbewohnerin einer Freundin empfohlen bekommen und es gefällt mir bisher sehr. Aber nun zum eigentlichen Bücherstapel für den März:
1. ein altes tbr Buch: Hannah Tunnicliffe – Der Duft von Tee (zum Geburtstag 2013 bekommen)
2. ein neues tbr Buch: Ernest Cline – Ready Player One (im Februar gekauft)
3. ein Leserundenbuch: Rainbow Rowell – Eleanor&Park (bookcircle Buch für März, zu finden auf Goodreads)

Zusätzlich habe ich zwei Wunschbücher ausgesucht. Für den Fall, dass ich die drei Bücher wie der Wind lese und noch Monat übrig habe. Einmal Bilder deiner großen Liebe von Wolfgang Herrndorf, was ich schon seit Oktober unbedingt lesen will. Und The Opposite of Loneliness von Marina Keegan, welches erst kürzlich bei mir eingezogen ist. 

(books) february wrap up

Einer meiner Vorsätze für 2015 ist mehr zu lesen. Und da das ein wenig schwammig formuliert ist, heißt mein Vorsatz drei Bücher im Monat zu lesen. Drei Bücher ist absolut machbar für mich. Damit ich aber nicht nur die neusten Bücher lese, die in meinen Regalen verstauben, habe ich mir überlegt immer ein Buch zu lesen, das mindestens ein Jahr auf meinem SuB (Stapel ungelesener Bücher) liegt. Das zweite Buch darf ein neueres sein und das dritte ist entweder ein Buch für eine Leserunde/ für ein Thema oder ein Wunschbuch.

Im Monat Februar hat das ganz gut funktioniert, obwohl es anders geplant war. Ich habe vier Bücher gelesen. Da ich an Rezensionen zu allen arbeite, gibt es nur einen kurzen Überblick (Notiz an mich: im März nicht bis zum Ende des Monats warten).

Thommie Bayer – Vier Arten die Liebe zu vergessen (neues Buch)
Vier Arten die Liebe zu vergessen kam Mitte Januar als verspätetes Weihnachtsgeschenk bei mir an und ich habe es gleich angefangen zu lesen. In meiner Jugend war ich ein großer Thommie Bayer Fan. Vier Arten die Liebe zu vergessen hat mich nicht völlig überzeugt, obwohl es ein gutes Buch ist. Der ein oder andere literarische Kniff war einfach zu viel für mich.

Jorge Amado – Herren des Strandes (altes Buch)
Die Herren des Strandes habe ich während meiner Magisterzeit 2013 gekauft. Damals hat mich, nachdem ich Kakao gelesen hatte, das Jorge Amado Fieber gepackt und ich wollte alle seine Bahia Romane lesen. Wie bei Kakao hatte ich am Anfang Schwierigkeiten in den Erzählfluss des Buches zu kommen. Ist man erstmal drin, kann man Herren des Strandes nicht mehr weglegen.

Paul Auster/ John Coetzee – Von hier nach da (angefangenes Buch)
Dieses Buch hat mich aus dem letzten Jahr in dieses begleitet. Die Beiden brauche ich wohl kaum vorstellen. Von hier nach da beginnt mit dem ersten Brief von John Coetzee an Paul Auster im Juli 2008. Im Laufe von drei Jahren schreiben sie sich Briefe über Freundschaft, Sport, Literatur und das aktuelle Zeitgeschehen.

Elisabeth Rank – Und im Zweifel für sich selbst (Wunschbuch)
Mitte letzten Jahres habe ich Bist du noch wach von Elisabeth Rank gelesen und war sofort verliebt. Verliebt in die Sprache, die Art  Dinge zu sagen, nachdenklich, manchmal melancholisch. Ich konnte gar nicht genug davon kriegen. Also habe ich Elisabeth Ranks erstes Buch gleich bestellt und im Februar gelesen, in zwei Tagen eingesaugt. Hoffentlich gibt es bald ein neues Buch, ich kann es kaum erwarten.

momente des lebens: heimat

Heimat, Deutschland, Februar 2015

Letztes Wochenende war meine Schwester zu Besuch und wir haben mit Jazz einen Spaziergang am schönsten Rand unseres Heimatstädtchens gemacht. Diesen Ort mag ich besonders gerne, weil er etwas friedliches hat. Auf den sanften Hügeln stehend hat man einen wunderbaren Blick auf die Stadt. Wenn dann noch die Sonne untergeht, leuchten die Häusergiebel besonders schön.

erste frühlingsboten

Ich habe sie gesehen. Die Kraniche sind auf dem Weg aus ihren Winterquartieren. Ganz tief sind sie über meine Heimatstadt geflogen, mit lang ausgestreckten Hälsen. Auf dem Weg in ihre Heimat im Norden.
Der Frühling kommt also wirklich. Die Kraniche irren sich nie!
Wenn man genau darauf achtet, fallen einem all die kleinen Vorboten des Frühlings auf. Nicht nur die Kraniche kommen zurück. Die Amseln singen mich morgens wieder aus dem Schlaf, die kleinen dicken Meisen hüpfen beschwingt von Ast zu Ast. Unter den Haselbüschen im Garten blühen die Windröschen und kündigen den Frühling in leuchtendem Gelb an. Es ist schön nach einem langen und grauen Winter wieder Farbe zu sehen. Langsam arbeiten sich die Krokusse ihren Weg durch die Erde. An den Bäumen sprießen schon die Weidenkätzchen und die Haselnussbüsche tragen ihre Blüten.
Auch die Sonne wird immer wärmer und lädt zu Spaziergängen durch Wald und Wiesen ein, wo die Natur all ihre Schönheit demjenigen präsentiert, der genau hinsieht.

(Fotos: Sophie Daum)

liebe, liebe sonne

Liebe Sonne

Schön, dass du wieder da bist. Ich habe dich sehr vermisst. Es tut gut, dich wieder zu sehen und zu spüren. Ich hatte schon gedacht, wir würden uns nicht wieder sehen. Zu lang und schmerzlich war die Trennung.
Aber lass uns nicht von vergangenen Tagen reden, sondern gemeinsam in die Zukunft sehen. Ich glaube da kommt einiges Gutes auf uns zu. Autofahrten mit lauter Musik und offenem Fenster, Kuchen-Nachmittage auf dem Balkon, auf dem Fahrrad durch die Stadt, Arschbomben in den See, warme Abende mit Grill und Freunden. Zeiten in denen ich dich an meiner Seite weiß. Es wird Momente geben, in denen werde ich dich verfluchen. Momente in denen es heiß ist und ich viele Taschen schleppen muss und mein Wasser zu Hause vergessen habe. Aber auch diese Momente werden vorüber gehen. Und ich weiß, du wirst es wieder gut machen. Mit Sonnenblumen und Rapsfeldern, mit goldbrauner Haut und mit Sommerlachen, mit Schwimmbadtagen und Eis auf die Hand und mit diesen wundervollen August Abenden, die ich so sehr liebe.
Ich freue mich schon auf die Abenteuer, die wir erleben werden und die Erinnerungen, die wir sammeln.

Alles Liebe
deine Nina

Los geht’s

Nun ist das neue Jahr schon eine Woche alt. Bisher war es sehr ereignislos. Die Schule geht erst nächste Woche los und so habe ich noch ein wenig Zeit bevor ich wieder arbeiten muss. Zeit für Kaffee und Kuchen, Bastelnachmittage und einen Shoppingtag.
Seit Tagen überlege ich mir, ob ich Vorsätze machen soll, die ich dann wieder nicht einhalte, oder ob ich es gleich lasse. Aber irgendwie mag ich dieses Pläne schmieden, egal wie es am Ende ausgeht. Also habe ich überlegt, was ich wirklich ändern will.

Ich will:
1. mehr lesen (3 Bücher im Monat sind durchaus machbar). Dazu zählt auch, dass ich gerne wieder täglich abends im Bett lesen will.
2. Sport….jedes Jahr das gleiche. Ich versuche die Woche mal als gelungen anzusehen, wenn ich einmal Sportkleidung anhatte und etwas sportliches getan habe.
3. darauf achten, halbwegs ordentlich das Haus zu verlassen.
4. meinen Kleiderschrank nach und nach etwas ummodeln. Mein Kleidungsstil hat sich sehr verändert in den letzten 2 Jahren, mein Kleiderschrankinhalt leider nicht.
5. mehr Grenzen setzen. Auch mal nein sagen, wenn es eben nicht geht und nicht denken “Das quetsch ich schon irgendwie noch dazwischen.”
6. etwas neues lernen.

Und ich will mit ordentlicher Wohnung ins neue Jahr starten, deshalb startet hier jetzt das Projekt Frühjahrsputz-vor-dem-Frühjahr.
Ich hoffe ihr seid gut ins neue Jahr gekommen, auf dass es ein gutes für euch wird.

Eure Nina

winterblues

Im Oktober hatte ich viele Pläne. Pläne für mein Leben, für den Blog. Aber dann kam der November. Ich war müde, krank und niedergeschlagen. Habe jede Erkältung und Grippe eingesammelt, die ich kriegen konnte. Eine Woche habe ich im Bett verbracht, um danach abgeschlagen durch den Alltag zu traben. Auf der Arbeit steppte der Bär und so habe ich es nie wirklich geschafft meine ganzen grippalen Sperenzchen wieder los zu werden. Noch heute – vier Wochen später – bricht mir die Stimme ständig weg. Wenn ich im Dunkeln heim gekommen bin, hatte ich keine Lust mehr auf irgendwas und bin nicht selten um neun ins Bett gegangen. An Blogposts schreiben war nicht zu denken. Ich war schlichtweg zu müde und unmotiviert. Der Winterblues hatte mich voll im Griff.
Zum Glück habe ich eine tolle Familie und ganz liebe Freunde und Kollegen, die mich irgendwie immer auffangen mit ihren netten Gesten und Worten. Mit Tee, Kuchen, Gesprächen, Postkarten und Hilfsangeboten. Sie sind einfach da und merken, wenn es mal nicht mehr geht. Sie ermuntern mich oder bremsen mich, wenn es nötig ist, und dafür bin ich sehr dankbar. Dank ihnen (und der vollen Vitamindosis sowie Reizhustentee) geht es mir langsam besser. Deshalb bin ich auch wieder da. Ich schmeiße meine Will-ich-diesen-Blog-schreiben-Zweifel über Bord und fange wieder an. Einfach so, weil ich es kann. Weil einfach mal machen oftmals viel besser funktioniert als alles zu zerdenken bis von den Ideen nichts mehr übrig ist als bröseliges Pulver. Ich sage einfach ja und finde hinterher raus, wie das funktionieren kann.
Das gleiche gilt für die anderen Pläne. Ich schmeiße mich in das vorweihnachtliche Getümmel und genieße den Geruch von Plätzchen und Glühwein. Ich freue mich über meine Adventskalender und die fröhliche Stimmung. Und der Vorweihnachtsstress und die Hektik? Die werden, wie meine Freundin sagen würde, hart wegignoriert. 

schwedenweh

Immer im Herbst vermisse ich Schweden. Vermisse die bunten Blätter, die goldene Herbstsonne, das ruhige Plätschern der Wellen, den Wald und die endlosen Wiesen. Jedes Jahr im Herbst bricht es mir ein Bisschen das Herz hier zu sein und nicht dort. Dort, wo ich den goldensten Herbst meines Lebens verbrachte. Wo ich die Zeit hatte jeden Tag endlos durch die Wälder zu streifen, die mir nie zu dunkel oder zu langweilig wurden. Jeden Tag spürte wie es kälter wurde und die Tage kürzer. Die wenigen Sonnenstunden nutzte, um im warmen Licht durch die Straßen Stockholms zu spazieren und in kleinen Cafés zu sitzen. Um nach Vaxholm zu fahren und in die Wohnzimmer der Schweden zu lunsen. Sich vorzustellen, wie so ein Leben wäre. In einem wunderschönen falunroten Haus mit einer großen Wohnküche und mit einem schönen Schweden, der Pfannkuchen machen kann. Und obwohl mein schwedischer Winter viel länger war, ist es immer der Herbst, der mich mit Wehmut zurück denken lässt.

momente des lebens: drottningholm


Drottningholm, Stockholm, Schweden, Oktober 2010

Im Oktober 2010 hatte gerade mein Auslandssemester an der Universität von Stockholm angefangen. Zusammen mit Marlene fuhr ich an einem trüben Oktober Wochenende raus nach Drottningholm. Dort hatten sich die Nonnengänse in großer Anzahl eingefunden.