winterblues

Im Oktober hatte ich viele Pläne. Pläne für mein Leben, für den Blog. Aber dann kam der November. Ich war müde, krank und niedergeschlagen. Habe jede Erkältung und Grippe eingesammelt, die ich kriegen konnte. Eine Woche habe ich im Bett verbracht, um danach abgeschlagen durch den Alltag zu traben. Auf der Arbeit steppte der Bär und so habe ich es nie wirklich geschafft meine ganzen grippalen Sperenzchen wieder los zu werden. Noch heute – vier Wochen später – bricht mir die Stimme ständig weg. Wenn ich im Dunkeln heim gekommen bin, hatte ich keine Lust mehr auf irgendwas und bin nicht selten um neun ins Bett gegangen. An Blogposts schreiben war nicht zu denken. Ich war schlichtweg zu müde und unmotiviert. Der Winterblues hatte mich voll im Griff.
Zum Glück habe ich eine tolle Familie und ganz liebe Freunde und Kollegen, die mich irgendwie immer auffangen mit ihren netten Gesten und Worten. Mit Tee, Kuchen, Gesprächen, Postkarten und Hilfsangeboten. Sie sind einfach da und merken, wenn es mal nicht mehr geht. Sie ermuntern mich oder bremsen mich, wenn es nötig ist, und dafür bin ich sehr dankbar. Dank ihnen (und der vollen Vitamindosis sowie Reizhustentee) geht es mir langsam besser. Deshalb bin ich auch wieder da. Ich schmeiße meine Will-ich-diesen-Blog-schreiben-Zweifel über Bord und fange wieder an. Einfach so, weil ich es kann. Weil einfach mal machen oftmals viel besser funktioniert als alles zu zerdenken bis von den Ideen nichts mehr übrig ist als bröseliges Pulver. Ich sage einfach ja und finde hinterher raus, wie das funktionieren kann.
Das gleiche gilt für die anderen Pläne. Ich schmeiße mich in das vorweihnachtliche Getümmel und genieße den Geruch von Plätzchen und Glühwein. Ich freue mich über meine Adventskalender und die fröhliche Stimmung. Und der Vorweihnachtsstress und die Hektik? Die werden, wie meine Freundin sagen würde, hart wegignoriert. 

schwedenweh

Immer im Herbst vermisse ich Schweden. Vermisse die bunten Blätter, die goldene Herbstsonne, das ruhige Plätschern der Wellen, den Wald und die endlosen Wiesen. Jedes Jahr im Herbst bricht es mir ein Bisschen das Herz hier zu sein und nicht dort. Dort, wo ich den goldensten Herbst meines Lebens verbrachte. Wo ich die Zeit hatte jeden Tag endlos durch die Wälder zu streifen, die mir nie zu dunkel oder zu langweilig wurden. Jeden Tag spürte wie es kälter wurde und die Tage kürzer. Die wenigen Sonnenstunden nutzte, um im warmen Licht durch die Straßen Stockholms zu spazieren und in kleinen Cafés zu sitzen. Um nach Vaxholm zu fahren und in die Wohnzimmer der Schweden zu lunsen. Sich vorzustellen, wie so ein Leben wäre. In einem wunderschönen falunroten Haus mit einer großen Wohnküche und mit einem schönen Schweden, der Pfannkuchen machen kann. Und obwohl mein schwedischer Winter viel länger war, ist es immer der Herbst, der mich mit Wehmut zurück denken lässt.

momente des lebens: drottningholm


Drottningholm, Stockholm, Schweden, Oktober 2010

Im Oktober 2010 hatte gerade mein Auslandssemester an der Universität von Stockholm angefangen. Zusammen mit Marlene fuhr ich an einem trüben Oktober Wochenende raus nach Drottningholm. Dort hatten sich die Nonnengänse in großer Anzahl eingefunden.

apfeltage

Gerade bin ich mal wieder mit den Kids des Herbstferien-Projektes unterwegs. Und so fuhren wir am Mittwoch durch die herbstliche Kälte auf den Lohrberg zum MainÄppelhaus. Dort hat man sich dem Erhalt der heimischen Streuobstwiesen verschrieben, berät bei Garten- und Obstanbaufragen und versucht unter anderem besonders Kindern im Erlebnisgarten den Umgang mit der Natur näher zu bringen. Streuobstwiesen gehören zur hessischen Kulturlandschaft, wie sonst hätte der Äppler zum hessischen Nationalgetränk aufsteigen können. Aber Streuobstwiesen haben mehr Aufgaben, als die hessische Kulturlandschaft zu erhalten. Sie dienen auch dem Artenschutz und unterliegen nach Hessischem Naturschutzgesetz dem gesetzlichen Biotopschutz. Sie werden auf der Roten Liste der gefährdeten Biotoparten Deutschlands als stark gefährdet geführt.

Am MainÄppelhaus angekommen, hat uns eine Mitarbeiterin begrüßt und eine kleine Einführung gegeben. Unser Auftrag: Apfelsaft pressen. Dafür mussten wir erstmal die Äpfel sammeln. Die Kids sind durch die Baumreihen geflitzt und haben in kürzester Zeit die Schubkarre bis zum Rand gefüllt. Anschließend wurden die Äpfel gewaschen und mit Hilfe einer Maschine zu Maische verarbeitet. Die Maische kam in eine Pressvorrichtung und die Kinder haben mit einer Kurbel den Saft, den man hier Süßer nennt, aus der Maische gepresst. Natürlich durften wir den Süßen anschließend mit nach Hause nehmen. In kleinen 0,5 Literflaschen trugen wir ihn wie einen kleinen Schatz in unseren Rucksäcken. Denn selbst gepresster Saft schmeckt irgendwie besser.

Der Lohrberg bietet neben dem MainÄppelhaus noch eine weitere Attraktion. Die unglaubliche Aussicht auf Frankfurt. Im Sommer kann man hier sicher ganz wunderbar auf schönen Parkbänken sitzen und den Ausblick genießen. Vielleicht mit einem Stück Kuchen und einem Getränk, dass man im Bistro des MainÄppelhauses gekauft hat.

MainÄppelHaus Lohrberg
Streuobstzentrum e.V.
Klingenweg 90
60389 Frankfurt a.M. / Seckbach

http://www.mainaeppelhauslohrberg.de/

momente des lebens: fehmarn


Fehmarn, Deutschland, September 2014.

Ich bin wieder da. Am letzten Wochenende war ich bei meiner Schwester auf Fehmarn. Wir haben im Campingbus geschlafen, haben lange Spaziergänge mit Jazz gemacht, das Meer betrachtet, Nordlichter gejagt. Fehmarn hat mir sehr gefallen. Die Menschen sind sehr nett und alles ist ein wenig langsamer. Besonders die Stille hat es mir angetan. Die Geräusche der Natur und die Abwesenheit jeglichen Lärms.

movie: can a song save your life?

Ich war im Kino. Ganz alleine. Irgendwie bin ich bisher nie alleine ins Kino gegangen, aber ich hatte es satt immer darauf zu warten wann und ob jemand Zeit hat. Und eigentlich ist alleine ins Kino gehen richtig toll.
So habe ich mir Can a Song save your Life? angeschaut. Die erste Einordnung des Films würde vermutlich Liebeskomödie heißen. Allein der Anfang – eine Frau singt bei einer Open-Mic-Nacht ein Lied und begeistert damit einen Zuhörer besonders – schreit nach Romanze. Doch dann wird zurückgespult und die Vorgeschichte der beiden Hauptpersonen Gretta (Keira Knightley) und Dan (Marc Ruffalo) getrennt von einander erzählt. Dan, der entlassene Musikproduzent, strandet betrunken in einer Bar und hört den Song einer jungen Frau, die über Einsamkeit in New York singt. Gretta von ihrem Rockstar Freund (Adam Levine) betrogen, lebt auf der Couch eines Freundes und will eigentlich nur zurück nach England. Doch dann singt sie in besagter Bar ihren Song. Und so kommen wir nach 30 Minuten Film wieder am Anfang an, ein Kniff, der den Film von vielen anderen seiner Sparte abhebt. Dan will Gretta unter Vertrag nehmen, was als Mann ohne Plattenlabel schwierig ist. Doch er hat eine Idee: Sie machen es einfach alleine. Mit Hilfe seiner Freunde aus erfolgreichen Tagen nehmen sie ein Album auf, überall in New York. Was entsteht ist ein zauberhafter Film. Eine Verneigung vor der Musik und der Stadt New York. Und für mich eine wunderbare Geschichte über Freundschaft, die keine Liebe sein muss, nur damit es ein Happy End gibt. Und auch hier unterscheidet sich Can a Song save your Life? von sogenannten Liebeskomödien, die in 99% mit einem Happy End der Hauptrollen endet.
Auf dem Heimweg vom Kino habe ich darüber nachgedacht, wie viel Einfluss Musik doch in unserem Leben hat. Wie sie alles durchzieht und uns mit Ereignissen und Orten verbindet. Und mit den Menschen, bei denen sie die gleichen Bilder und Gefühle auslöst.
Übrigens kann ich mich der Kritik an Keira Knightleys Stimme nicht anschließen. Sie mag nicht Whitney Houston sein, aber ich finde ihre Stimme angenehm, ruhig und sehr passend für die Musik des Films und die damit verbundene Geschichte.

Gedanken zum Älterwerden


(
Foto: Sophie Daum)

 Letzte Woche hatte ich Geburtstag. Die meisten Menschen finden Geburtstag haben und älter werden ganz schlimm. Ich nicht. Ich liebe Geburtstag haben. Und ich liebe Geschenke. Ich bin auch nicht bereit meine Liebe für Geschenke mit falscher Bescheidenheit zu überdecken. Ist mir egal, ob das einige egoistisch oder unverschämt finden. Ich finde es wundervoll meine liebsten Menschen um mich zu haben, Unmengen Kuchen zu verdrücken, mit Geschenkpapier zu rascheln und mich über all die liebevollen Dinge zu freuen, die meine Freunde für mich ausgesucht haben. Um den Tag gebührend zu feiern, backe ich Kuchen und packe mein Omma-Blümchengeschirr aus, ich kaufe Blumen und dekoriere alles nach kitschiger Kaffeekränzchen-Manier. Von mir aus könnte ich mehr als einmal im Jahr Geburtstag haben.

Was mich allerdings richtig nervt sind die Fragen. Wenn man die 30 überschreitet kommen viele Menschen auf die Idee nach den Lebensplänen, Kinderplänen, Hausbauplänen zu fragen. Als sei 30 die magische Grenze zum Erwachsensein. Aber so leicht ist das nicht. Es gibt nicht diesen einen Tag von dem an alles auf einmal ganz anders ist und man seine Sneaker und Jeans gegen Pumps und Stiftröcke eintauscht. An dem man damit beginnt Kinder und Häuser zu planen. All diese Dinge sind ein Prozess, der seine Zeit braucht. Bei den einen geht das von heute auf morgen, bei anderen dauert es Jahre und einige werden nie so erwachsen, wie man es von richtigen Erwachsenen erwartet. Und das ist völlig ok.
Für einige bedeutet Erwachsensein, dass man nicht mehr auf Hüpfburgen darf und immer ordentlich angezogen sein muss, dass man um 22 Uhr schlafen gehen muss und keine verrückten Träume mehr haben darf, dass man keine Seifenblasen aus seiner Handtasche ziehen kann und sich keine gemischte Zuckertüten am Kiosk kaufen darf. Ich glaube, dass Erwachsensein nicht dies oder jenes ist, sondern was man daraus macht. Ich glaube Erwachsensein wird nicht durch Seifenblasen und Hüpfburgen definiert. Wenn ich Verantwortung für meine Taten übernehme und mit den Konsequenzen lebe, wenn ich Respekt vor anderen Menschen habe und ihrer Art das Leben zu meistern, ist es dann nicht egal, ob ich Seifenblasen mag und verrückte Ideen habe? Ich bin nicht bereit mich zu ändern, damit ich in irgendein Förmchen passe, da bin ich lieber mein eigenes Förmchen. Anstatt ein Erwachsener nach allgemeinen Vorstellungen, bin ich eben lieber eine verantwortungsbewusste, ehrliche Hüpfburgenhüpferin mit großen Träumen. Das macht mich vielleicht verrückter als andere in meinem Alter, aber nicht weniger erwachsen.

das leben und so

Im Moment ist das Leben mal wieder ein wenig chaotisch. Nicht äußerlich, aber innerlich. Viele Dinge verändern sich und zwischen Abschieden, Lebensläufen und neuen Situationen fällt es mir gerade sehr schwer Ruhe zu finden. Dazu kommt noch mein fieser Freund Migräne, der gerade wieder sehr aufmüpfig auf meinen Nerven eine Polka tanzt. Aber es wäre ja auch viel zu langweilig, wenn nicht immer alles auf einmal kommen würde. In solchen Momenten hilft nur wenig…viel Schlaf, nette Menschen, leise Entspannungsmusik, ein paar hübsche Blümchen und dann Augen zu und durch. Im wahrsten Sinne des Wortes.

momente des lebens: cádiz


Cádiz, Spanien, 2008.

Im Spätsommer 2008 waren Lisa und ich in Spanien unterwegs. Mit einem gemieteten Smart kurvten wir über die löchrigen Straßen Andalusiens. Von Jerez über Sevilla, Córdoba, Málaga und Tarifa nach Cádiz. Wir haben viele ganz wundervolle Orte gesehen und nette Menschen kennengelernt. Cádiz ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben. Nicht nur weil wir im besten Hostel der Welt gewohnt haben, sondern weil Cádiz einfach so schön ist. Mit ihren kleinen Gassen, dem Atlantikwetter und der goldenen Domkuppel, die in der Sonne glänzt, hat sie mein Herz im Sturm erobert. Ich habe einfach eine Schwäche für Hafenstädte.

Spuren

Letze Woche war ich im Kino, um mir Spuren anzusehen. Eigentlich wollte ich ihn schon im April schauen, aber durch die USA Vorbereitungen ist das völlig untergegangen. Zum Glück zeigt unser Dorfkino immer den Film des Monats und im August war das Spuren.

Als ich 18 war, hatte ich eine Australien-Phase. Ich habe dieses Land förmlich aufgesaugt, habe Dokus geschaut, Bilder betrachtet und alles zum Thema gelesen, was mir in die Finger kam. So auch das Buch Spuren (Tracks) von Robyn Davidson. Die Geschichte einer jungen Frau, die mit Kamelen durch die Wüste Australiens zieht, hat mich gleich begeistert. Allein die Tatsache, dass es in Australien die meisten wild lebenden Kamele gibt, war für mich unfassbar. Ich erinnere mich, dass mich dieses Buch lange beschäftigt hat. Als ich letzten Dienstag das Kino verlassen habe, ging es mir genau so. Ich war wieder überwältigt von dieser Geschichte. Von dem Mut, den Robyn Davidson aufgebracht hat, um alleine die Wüste Australiens von Alice Springs zum Pazifik zu durchqueren. Wie sie alle Hindernisse überwunden hat, die sich ihr in den Weg gestellt haben. Wie sie trotz Verzweiflung und Einsamkeit immer weiter gegangen ist, bis sie schließlich mit ihren Kamelen am Saum des Ozeans stand. Es ist die berührende Geschichte einer mutigen, jungen Frau, die sich gar nicht als mutig empfand. Und auch die Geschichte der wunderbaren Menschen, die ihr geholfen haben ohne etwas dafür zu verlangen.

“Der Trip war einfach. Er war nicht gefährlicher, als von einer Straßenseite auf die andere zu gehen oder zum Strand zu fahren oder Erdnüsse zu essen. Ich habe zwei wichtige Dinge dabei gelernt: Man ist so stark und mächtig, wie man sich zu sein erlaubt. Und: Der schwierigste Teil eines Vorhabens ist der erste Schritt, die erste Entscheidung.”
(Robin Davidson: Spuren, 2002, S. 248)