neustart

Manchmal möchte ich der Welt einfach zurufen, dass sie mal kurz anhalten soll. Nur mal einen Moment. Zum Verschnaufen und Sammeln der Gedanken. Aber sie dreht sich weiter in der Geschwindigkeit, die sie für angemessen hält. Das ist natürlich subjektiver Blödsinn, die Welt dreht sich immer gleich schnell und auch die Zeit ist nicht in der Lage sich auszudehnen oder zusammenzuziehen. Und doch habe ich das Gefühl seit Januar rennt die Zeit weg und ich hinterher. Wobei ich nicht annähernd schaffe ihre Geschwindigkeit zu halten oder sie gar einzuholen. Vielleicht liegt es daran, dass ich dachte mit Anlauf alle Hürden auf einmal nehmen zu müssen. Ich musste erkennen, dass ich echt mies im Hürdenlauf bin und noch schlechter in Multitasking. Mehrere Dinge in meinem Kopf gleichzeitig geregelt zu bekommen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Ich durchdenke Sachen gerne bis zum Schluss, manchmal auch länger. Deshalb liege ich morgens nach dem Aufwachen nicht noch ewig im Bett rum. Ich stehe auf, bevor ich wach genug bin alles zu hinterfragen. Ich gehe morgens Laufen, bevor ich nach dem Warum fragen kann. Bin ich erstmal dabei, funktioniert alles super. Im Grunde ist es eine Art mich selbst auszutricksen.
Die letzten Wochen waren sehr anstrengend und viel auf einmal. Ich habe mich und meinen Körper behandelt wie ein Rennpferd und immer zu neuen Bestzeiten gepuscht. Mit dem Ergebnis, dass ich mich Anfang April fühlte wie Ende November. Deshalb versuche ich ein wenig zurückzuschalten. Lieber mal einen Kaffee mit einer Freundin trinken, einfach mal mit einem Eis am Main sitzen und den Ruderern zuschauen. Statt im Bus schnell Mails zu beantworten, höre ich Musik und betrachte die Wolkenberge am Himmel. Ich freue mich über die Blumen in den Vorgärten und die Stangenbohnen-Aufbauten im Nachbargarten. Nach meiner morgendlichen Laufrunde fahre ich eine Runde auf der Seilbahn auf dem Spielplatz. Wenn mein Heuschnupfen zuschlägt, sage ich lieber mal alles ab und lege mich mit einem Waschlappen auf dem Gesicht ins Bett und ruhe mich aus. Immer deutlicher wird, wie gut mir diese kleinen Pausen tun. Diese Momente, in denen man einfach nur dasitzt und das Leben genießt. Mit einem Freund, einem Buch oder Kuchen. Oder einfach nur mit Wolkenbergen und Vogelgezwitscher.

(books) vier arten die liebe zu vergessen

Im Alter von 15 Jahren war mein Lieblingsbuch “Das Herz ist eine miese Gegend” von Thommie Bayer. Und das blieb ziemlich lange so. Ich habe es etliche Male verschenkt und noch etlichere Male gelesen. Aus irgendeinem Grund hat die Geschichte von Giovanni und Laura mich zutiefst berührt.
Nun habe ich dieses Jahr, 15 Jahre später, endlich wieder ein Buch von Thommie Bayer gelesen. In “Vier Arten die Liebe zu vergessen” treffen sich vier ehemalige Klassenkameraden, genannt die Nachtigallen, sich am Grab ihrer Lehrerin wieder, durch die sie erst zu Freunden geworden sind. Erzählt wird die Geschichte vorrangig aus Michaels Sicht, doch durch etliche Wechsel der Erzählperspektive erfährt man viel über das Innenleben von Thomas, Bernd und Wagner. Schnell wird deutlich, dass sie alle an der Liebe gescheitert sind, aber auch dass man kaum vier unterschiedlichere Charaktere hätte finden können. Was die vier Nachtigallen vereint ist das Singen und ihre frühere Freundschaft. Ein Besuch bei Michael in Venedig führt zu einer Veränderung jedes Einzelnen und zeigt, ob es ihnen gelingt ihre Freundschaft wieder aufleben zu lassen.

Neben der Haupthandlung in der Gegenwart gibt es immer wieder Rückblicke aus Michaels Sicht. Durch die Rückblicke erfährt der Leser, wie sich die Nachtigallen kennen gelernt haben und Freunde wurden. Und wie das Leben sie auseinander gerissen hat bis sie sich am Grab ihrer Lehrerin wieder treffen.
Die Perspektivwechsel innerhalb der Handlung sind mit dem jeweiligen Namen versehen, so dass man keine Probleme hat zu erkennen, wer gerade spricht. Michaels Erzählungen machen zum Glück einen Großteil der Geschichte aus, denn er ist wesentlich sympathischer als die anderen.
An sich finde ich die Idee des Perspektivwechsels gut. So erfährt man wie der jeweilige Charakter die Situation empfindet und was er denkt. Außerdem erfährt der Leser hierdurch sehr schön, dass alle Vier Geheimnisse haben, die sie den anderen nicht erzählen, um das Bild vom perfekten Leben zu wahren. Als gäbe es einen Preis für das beste Leben ohne Schwachstellen zu gewinnen.
Für mich persönlich war jedoch die Mischung von Perspektivwechsel und Zeitsprüngen ein wenig zu viel der literarischen Kniffe.
Auch war ich ein wenig enttäuscht, es ist eben nicht “Das Herz ist eine miese Gegend”. Was jedoch nicht heißt, dass es kein gutes Buch war, im Gegenteil. Die Geschichte der vier Freunde, die die Zeit zusammen und wieder auseinander gebracht hat, hat mir gut gefallen und mich an vielen Stellen nachdenklich gemacht.
Der Großteil des Buches spielt sich in Venedig ab. Hier zeigt sich deutlich, wie gut Thommie Bayer Stimmungen einzufangen kann. Während dem Lesen bin ich durch die Gassen Venedigs spaziert, habe die Tauben auf dem Markusplatz gehört und das Tuckern der Müllboote. Ich habe die Paläste am Ufer vor meinem inneren Auge gesehen und die salzige Luft eingeatmet, während ich mit Michael auf dem Vaporetto über den Canal Grande gefahren bin.
Ich bin hin und her gerissen, wie mein abschließendes Fazit aussieht. Vier Arten die Liebe zu vergessen hat durchaus seine starken und atmosphärisch aufgeladenen Momente, leider aber auch einige schwächere Stellen. Insgesamt war es ein gutes Buch, aber eben kein hervorragendes.

momente des lebens: heimat

Heimat, Deutschland, Februar 2015

Letztes Wochenende war meine Schwester zu Besuch und wir haben mit Jazz einen Spaziergang am schönsten Rand unseres Heimatstädtchens gemacht. Diesen Ort mag ich besonders gerne, weil er etwas friedliches hat. Auf den sanften Hügeln stehend hat man einen wunderbaren Blick auf die Stadt. Wenn dann noch die Sonne untergeht, leuchten die Häusergiebel besonders schön.

erste frühlingsboten

Ich habe sie gesehen. Die Kraniche sind auf dem Weg aus ihren Winterquartieren. Ganz tief sind sie über meine Heimatstadt geflogen, mit lang ausgestreckten Hälsen. Auf dem Weg in ihre Heimat im Norden.
Der Frühling kommt also wirklich. Die Kraniche irren sich nie!
Wenn man genau darauf achtet, fallen einem all die kleinen Vorboten des Frühlings auf. Nicht nur die Kraniche kommen zurück. Die Amseln singen mich morgens wieder aus dem Schlaf, die kleinen dicken Meisen hüpfen beschwingt von Ast zu Ast. Unter den Haselbüschen im Garten blühen die Windröschen und kündigen den Frühling in leuchtendem Gelb an. Es ist schön nach einem langen und grauen Winter wieder Farbe zu sehen. Langsam arbeiten sich die Krokusse ihren Weg durch die Erde. An den Bäumen sprießen schon die Weidenkätzchen und die Haselnussbüsche tragen ihre Blüten.
Auch die Sonne wird immer wärmer und lädt zu Spaziergängen durch Wald und Wiesen ein, wo die Natur all ihre Schönheit demjenigen präsentiert, der genau hinsieht.

(Fotos: Sophie Daum)

liebe, liebe sonne

Liebe Sonne

Schön, dass du wieder da bist. Ich habe dich sehr vermisst. Es tut gut, dich wieder zu sehen und zu spüren. Ich hatte schon gedacht, wir würden uns nicht wieder sehen. Zu lang und schmerzlich war die Trennung.
Aber lass uns nicht von vergangenen Tagen reden, sondern gemeinsam in die Zukunft sehen. Ich glaube da kommt einiges Gutes auf uns zu. Autofahrten mit lauter Musik und offenem Fenster, Kuchen-Nachmittage auf dem Balkon, auf dem Fahrrad durch die Stadt, Arschbomben in den See, warme Abende mit Grill und Freunden. Zeiten in denen ich dich an meiner Seite weiß. Es wird Momente geben, in denen werde ich dich verfluchen. Momente in denen es heiß ist und ich viele Taschen schleppen muss und mein Wasser zu Hause vergessen habe. Aber auch diese Momente werden vorüber gehen. Und ich weiß, du wirst es wieder gut machen. Mit Sonnenblumen und Rapsfeldern, mit goldbrauner Haut und mit Sommerlachen, mit Schwimmbadtagen und Eis auf die Hand und mit diesen wundervollen August Abenden, die ich so sehr liebe.
Ich freue mich schon auf die Abenteuer, die wir erleben werden und die Erinnerungen, die wir sammeln.

Alles Liebe
deine Nina

Los geht’s

Nun ist das neue Jahr schon eine Woche alt. Bisher war es sehr ereignislos. Die Schule geht erst nächste Woche los und so habe ich noch ein wenig Zeit bevor ich wieder arbeiten muss. Zeit für Kaffee und Kuchen, Bastelnachmittage und einen Shoppingtag.
Seit Tagen überlege ich mir, ob ich Vorsätze machen soll, die ich dann wieder nicht einhalte, oder ob ich es gleich lasse. Aber irgendwie mag ich dieses Pläne schmieden, egal wie es am Ende ausgeht. Also habe ich überlegt, was ich wirklich ändern will.

Ich will:
1. mehr lesen (3 Bücher im Monat sind durchaus machbar). Dazu zählt auch, dass ich gerne wieder täglich abends im Bett lesen will.
2. Sport….jedes Jahr das gleiche. Ich versuche die Woche mal als gelungen anzusehen, wenn ich einmal Sportkleidung anhatte und etwas sportliches getan habe.
3. darauf achten, halbwegs ordentlich das Haus zu verlassen.
4. meinen Kleiderschrank nach und nach etwas ummodeln. Mein Kleidungsstil hat sich sehr verändert in den letzten 2 Jahren, mein Kleiderschrankinhalt leider nicht.
5. mehr Grenzen setzen. Auch mal nein sagen, wenn es eben nicht geht und nicht denken “Das quetsch ich schon irgendwie noch dazwischen.”
6. etwas neues lernen.

Und ich will mit ordentlicher Wohnung ins neue Jahr starten, deshalb startet hier jetzt das Projekt Frühjahrsputz-vor-dem-Frühjahr.
Ich hoffe ihr seid gut ins neue Jahr gekommen, auf dass es ein gutes für euch wird.

Eure Nina

winterblues

Im Oktober hatte ich viele Pläne. Pläne für mein Leben, für den Blog. Aber dann kam der November. Ich war müde, krank und niedergeschlagen. Habe jede Erkältung und Grippe eingesammelt, die ich kriegen konnte. Eine Woche habe ich im Bett verbracht, um danach abgeschlagen durch den Alltag zu traben. Auf der Arbeit steppte der Bär und so habe ich es nie wirklich geschafft meine ganzen grippalen Sperenzchen wieder los zu werden. Noch heute – vier Wochen später – bricht mir die Stimme ständig weg. Wenn ich im Dunkeln heim gekommen bin, hatte ich keine Lust mehr auf irgendwas und bin nicht selten um neun ins Bett gegangen. An Blogposts schreiben war nicht zu denken. Ich war schlichtweg zu müde und unmotiviert. Der Winterblues hatte mich voll im Griff.
Zum Glück habe ich eine tolle Familie und ganz liebe Freunde und Kollegen, die mich irgendwie immer auffangen mit ihren netten Gesten und Worten. Mit Tee, Kuchen, Gesprächen, Postkarten und Hilfsangeboten. Sie sind einfach da und merken, wenn es mal nicht mehr geht. Sie ermuntern mich oder bremsen mich, wenn es nötig ist, und dafür bin ich sehr dankbar. Dank ihnen (und der vollen Vitamindosis sowie Reizhustentee) geht es mir langsam besser. Deshalb bin ich auch wieder da. Ich schmeiße meine Will-ich-diesen-Blog-schreiben-Zweifel über Bord und fange wieder an. Einfach so, weil ich es kann. Weil einfach mal machen oftmals viel besser funktioniert als alles zu zerdenken bis von den Ideen nichts mehr übrig ist als bröseliges Pulver. Ich sage einfach ja und finde hinterher raus, wie das funktionieren kann.
Das gleiche gilt für die anderen Pläne. Ich schmeiße mich in das vorweihnachtliche Getümmel und genieße den Geruch von Plätzchen und Glühwein. Ich freue mich über meine Adventskalender und die fröhliche Stimmung. Und der Vorweihnachtsstress und die Hektik? Die werden, wie meine Freundin sagen würde, hart wegignoriert. 

schwedenweh

Immer im Herbst vermisse ich Schweden. Vermisse die bunten Blätter, die goldene Herbstsonne, das ruhige Plätschern der Wellen, den Wald und die endlosen Wiesen. Jedes Jahr im Herbst bricht es mir ein Bisschen das Herz hier zu sein und nicht dort. Dort, wo ich den goldensten Herbst meines Lebens verbrachte. Wo ich die Zeit hatte jeden Tag endlos durch die Wälder zu streifen, die mir nie zu dunkel oder zu langweilig wurden. Jeden Tag spürte wie es kälter wurde und die Tage kürzer. Die wenigen Sonnenstunden nutzte, um im warmen Licht durch die Straßen Stockholms zu spazieren und in kleinen Cafés zu sitzen. Um nach Vaxholm zu fahren und in die Wohnzimmer der Schweden zu lunsen. Sich vorzustellen, wie so ein Leben wäre. In einem wunderschönen falunroten Haus mit einer großen Wohnküche und mit einem schönen Schweden, der Pfannkuchen machen kann. Und obwohl mein schwedischer Winter viel länger war, ist es immer der Herbst, der mich mit Wehmut zurück denken lässt.

momente des lebens: drottningholm


Drottningholm, Stockholm, Schweden, Oktober 2010

Im Oktober 2010 hatte gerade mein Auslandssemester an der Universität von Stockholm angefangen. Zusammen mit Marlene fuhr ich an einem trüben Oktober Wochenende raus nach Drottningholm. Dort hatten sich die Nonnengänse in großer Anzahl eingefunden.

apfeltage

Gerade bin ich mal wieder mit den Kids des Herbstferien-Projektes unterwegs. Und so fuhren wir am Mittwoch durch die herbstliche Kälte auf den Lohrberg zum MainÄppelhaus. Dort hat man sich dem Erhalt der heimischen Streuobstwiesen verschrieben, berät bei Garten- und Obstanbaufragen und versucht unter anderem besonders Kindern im Erlebnisgarten den Umgang mit der Natur näher zu bringen. Streuobstwiesen gehören zur hessischen Kulturlandschaft, wie sonst hätte der Äppler zum hessischen Nationalgetränk aufsteigen können. Aber Streuobstwiesen haben mehr Aufgaben, als die hessische Kulturlandschaft zu erhalten. Sie dienen auch dem Artenschutz und unterliegen nach Hessischem Naturschutzgesetz dem gesetzlichen Biotopschutz. Sie werden auf der Roten Liste der gefährdeten Biotoparten Deutschlands als stark gefährdet geführt.

Am MainÄppelhaus angekommen, hat uns eine Mitarbeiterin begrüßt und eine kleine Einführung gegeben. Unser Auftrag: Apfelsaft pressen. Dafür mussten wir erstmal die Äpfel sammeln. Die Kids sind durch die Baumreihen geflitzt und haben in kürzester Zeit die Schubkarre bis zum Rand gefüllt. Anschließend wurden die Äpfel gewaschen und mit Hilfe einer Maschine zu Maische verarbeitet. Die Maische kam in eine Pressvorrichtung und die Kinder haben mit einer Kurbel den Saft, den man hier Süßer nennt, aus der Maische gepresst. Natürlich durften wir den Süßen anschließend mit nach Hause nehmen. In kleinen 0,5 Literflaschen trugen wir ihn wie einen kleinen Schatz in unseren Rucksäcken. Denn selbst gepresster Saft schmeckt irgendwie besser.

Der Lohrberg bietet neben dem MainÄppelhaus noch eine weitere Attraktion. Die unglaubliche Aussicht auf Frankfurt. Im Sommer kann man hier sicher ganz wunderbar auf schönen Parkbänken sitzen und den Ausblick genießen. Vielleicht mit einem Stück Kuchen und einem Getränk, dass man im Bistro des MainÄppelhauses gekauft hat.

MainÄppelHaus Lohrberg
Streuobstzentrum e.V.
Klingenweg 90
60389 Frankfurt a.M. / Seckbach

http://www.mainaeppelhauslohrberg.de/