Lieblingsbücher 2016

17-02-Buecher

Hand aufs Herz. 2016 war nicht mein bestes Lesejahr. Ich habe monatelang kein Buch aufgeschlagen, um dann vier Bücher in zehn Tagen zu verschlingen. Insgesamt waren es 14 Bücher, von denen keins eine Qual war. Entweder habe ich einfach Glück, oder ich werde immer besser in der Auswahl von Büchern, die ich mögen könnte.
Meine Favoriten (es sind ganze acht) stelle ich euch jetzt kurz vor:

Ruth Ozeki – Geschichte für einen Augenblick (Januar)
Was ein Start ins neue Jahr. Ich habe zwar drei Monate an diesem Buch gelesen, aber ich möchte keine Minute davon missen. Geschichte für einen Augenblick ist ein fantastisches Buch. Wir treffen die Schriftstellerin Ruth und die Schülerin Naoko, die eine auf einer kleinen kanadischen Insel, die andere im fernen Japan. Verbunden durch eine Flaschenpost von Naoko. Was folgt ist eine Geschichte über Buddhismus, Quantenphysik, Mobbing, Kamikazeflieger und vieles mehr. Alles wie durch unsichtbare Fäden miteinander verbunden. Über dieses Buch werde ich noch sehr lange nachdenken.
“Es ist, als würde ich in der Zeit vorgreifen und dich berühren, und jetzt, da du es gefunden hast, greifst du zurück und berührst mich!”

(Wer mich gut kennt erinnert sich vielleicht noch an meine unglückseeligen Versuche 2007 eine Hausarbeit über die Ähnlichkeit zwischen Buddhismus und Quantenphysik zu schreiben. Und hier ist die Verbindung, zehn Jahre später….und soviel besser erklärt. Zufall?)

Donna Tartt – Die geheime Geschichte (März)
Diesen wunderbaren 570 Seiten Wälzer habe ich innerhalb von zwei Tagen verschlungen. Zu spannend war sie, zu faszinierend. Die Geschichte um Richard Papen und seine fünf Kommilitonen im Institut für Altgriechisch am College. Es ist kein Geheimnis, dass einer von ihnen stirbt, kein Geheimnis, dass die anderen Mitglieder der Gruppe Schuld tragen. Das alles steht schon auf der ersten Seite. Aber was dann folgt – es dauert erstmal 300 Seiten bis die Tat begangen wird – ist ein wirbelnder, nicht aufzuhaltender Strudel an Ereignissen und zwischenmenschlicher Berechnung, voller Intelligenz und Spannung, an dessen Ende man erkennen muss, dass man sich selbst so sehr in der Geschichte verloren hat, dass man bereit ist mit ihren Akteuren unterzugehen.
“Ich nehme an, es gab eine Zeit in meinem Leben, da hätte ich eine beliebige Anzahl von Geschichten gewußt, aber jetzt gibt es keine andere mehr. Dies ist die einzige Geschichte, die ich je werde erzählen können.”

Haruki Murakami – Südlich der Grenze, westlich der Sonne (August)
Ach Murakami…was soll ich sagen. Deine Sprache wunderschön, deine Geschichten packend, deine Charaktere liebenswert und zerbrechlich. Bereits im Jahr 2000 erschien Murakamis Roman erstmals in deutscher Sprache. Aus dem englischen übersetzt trug er den Titel Gefährliche Geliebte. Die Neuübersetzung von Ursula Gräfe Südlich der Grenze, westlich der Sonne ist seit 2015 in den Läden und soll durch die Direktübersetzung aus dem japanischen dem Original näher sein. Der Roman erzählt die Geschichte von Hajime, der nach Jahren seine Jugendliebe Shimamoto wieder sieht. Eine Begegnung die sein Leben völlig durcheinander bringt. Ein geheimnisvolles, mystisches Buch, wundervoll und ausdrucksstark geschrieben.
“Ich schloss die Augen und klammerte mich an sie, um nicht irgendwohin zu verschwinden.”

Carlos Ruiz Zafón – Der Gefangene des Himmels (August)
Das (zur Zeit) letzte Buch von Zafóns Reihe um den Friedhof der vergessenen Bücher. Ich habe mich lange gedrückt es zu lesen, weil ich immer noch einen Zafón im Schrank haben wollte. Für den Fall, dass ich einsam bin und alte Freunde wieder treffen will. Irgendwann siegt aber immer die Neugier. In Der Gefangene des Himmels erzählt Fermín seine Geschichte. Er erzählt sie seinem Freund Daniel, weil Fermíns Geschichte auch Daniels Geschichte ist. Auch in diesem Buch spannt Zafón meisterhaft neue Fäden zwischen den einzelnen Erzählsträngen seiner Bücher, die wir vorher nicht einmal erahnen konnten. Ein absolutes Lesemuss!
“Es gibt Zeiten und Orte, da niemand zu sein ehrenwerter ist, als jemand zu sein.”

Wer noch nichts von Zafón gelesen hat, dem würde ich (obwohl es im Grunde egal ist und hier die Meinungen auch stark variieren) folgende Reihenfolge vorschlagen: Der Schatten des Windes, Der Gefangene des Himmels, Das Spiel des Engels. Und dann darf gespannt auf den vierten und letzten Roman der Reihe gewartet werden.

Carlos Ruiz Zafón – Marina (August)
Ich weiß gar nicht genau wie ich Marina beschreiben soll. Dieses Buch ist wie ein Fieberschub, der einen erfasst, mitreißt und am Ende völlig entkräftet und verwirrt zurück lässt. Marina ist nichts für zartbesaitete Menschen. Was anfänglich nach einer ganz normalen Liebesgeschichte zwischen dem jungen Schüler Óscar und der schönen Marina aussieht, entpuppt sich schnell als packender, mysteriöser und manchmal gruseliger Roman. Auf den 350 Seiten begegnen einem Falter, die Dame in Schwarz, lebende Marionetten und andere Absonderlichkeiten. Und natürlich auch das wundervolle Barcelona der vergangenen Tage, das Zafón mit seiner poetischen Sprache immer wieder zum Leben erweckt. Ein spannender Lesegenuss, der einiges ist, nur nicht normal.
“Wir alle haben im Dachgeschoss der Seele ein Geheimnis unter Verschluss.”

Elena Ferrante – Meine geniale Freundin (September)
Endlich gibt es Meine geniale Freundin, den ersten Band von Ferrantes Neapolitanischer Saga, in deutscher Sprache. Der hochgelobte feministische Roman über die Freundschaft zwischen Lenu und Lila, die sich im Mädchenalter im Neapel der fünfziger Jahre kennen lernen und über 60 Jahre Freunde bleiben. Die eine ehrgeizig, wild und schön, die andere fleißig, still und bescheiden. Beide sehr klug und sehr arm. Während Lenu aufs Gymnasium gehen darf, wird der genialen Lila die weitere Schulbildung verweigert. Die Wege der Mädchen trennen sich, aber ihre Freundschaft bleibt bestehen, aller Verschiedenheit, Intrigen und Erschwernissen zum Trotz. Ich bin schon gespannt, wie es weiter geht.
“Wir waren erst zwölf Jahre alt, doch wir spazierten wie zwei zarte, alte Damen, die ihr an Enttäuschungen reiches Leben Revue passieren ließen und sich aneinander festhielten, durch die glühend heißen Straßen des Rione, durch den Staub und die Fliegen, die von den vorüberfahrenden alten Lastwagen aufgewirbelt wurden.”
Band 2 Die Geschichte eines neuen Namens erschien bereits am 10. Januar.
Band 3 Die Geschichte der getrennten Wege wird am 8. Mai erscheinen.
Band 4 (der letzte) Die Geschichte des verlorenen Kindes wird passend zur Frankfurter Buchmesse am 9. Oktober erscheinen.

Marina Keegan – The Opposite of Loneliness (Oktober)
Was für ein bedeutendes Buch und welch tragische Geschichte. 2012 macht Marina Keegan ihren Abschluss magna cum laude an der Universität in Yale. Die junge Frau hat sich bereits durch einige Artikel einen Namen gemacht und ein heiß begehrter Job bei der New York Times wartet auf sie. Doch dann verunglückt sie fünf Tage nach ihrem Abschluss tödlich. The Opposite of Loneliness beinhaltet Kurzgeschichten und Essays, welche von ihren Eltern und engen Freunden ausgewählt wurden. Herausgekommen ist eine sehr berührende, ausdrucksstarke und wichtige Sammlung, die ich wirklich jedem ans Herz legen möchte, da jeder einzelne Leser irgendwo auf den Seiten etwas von sich selbst wiederfinden wird. Versprochen!
“What we have to remember is that we can still do anything. We can change our minds. We can start over.”

Benedict Wells – Vom Ende der Einsamkeit (Oktober)
Mit großer Spannung habe ich auf den neuen Wells gewartet. Und ich wurde nicht enttäuscht. Selten habe ich ein Buch gelesen, dass die Beziehung unter Geschwistern so gut einfängt, wie dieses. Ein wunderbar melancholisches, sanftes Buch über Verlust, Einsamkeit und Liebe. Ein Buch das Hoffnung macht und einen mit einem wohligen Kribbeln im Bauch zurück lässt. Und ein sprachlicher Hochgenuss. Jedem, der den Untergang der deutschen Sprache durch die Verrohung der Jugend prophezeit, möchte ich dieses Buch ins Gesicht halten und HA rufen.
“Die Einsamkeit in uns können wir nur gemeinsam überwinden.”
Und ihr? Welche Bücher habt ihr 2016 gelesen, die euch berührt haben. Euch zum Weinen, Lachen, Nachdenken angeregt haben?
Auf bald
Nina

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