Urban jungle 1.0

17-02-schefflera

In meiner Jugend hatte ich ein Talent. Eins, das eher ein Anti-Talent war. Ich habe jede Pflanze tot bekommen. Ich war nicht einmal in der Lage einen Kaktus am Leben zu halten. Ok, das ist ein wenig übertrieben. Es gibt tatsächlich einen Kaktus, den habe ich schon seit 20 Jahren. Aber so grundsätzlich hatten es Pflanzen bei mir schwer.
Noch heute lacht meine Schwester kurz auf, wenn ich erzähle, dass ich neue Pflanzen für den Balkon gekauft habe. Tatsächlich habe ich aber über die Jahre einen grünen Daumen entwickelt. Ich kümmere mich um den großen Garten, der unser Haus umgibt. Ich weiß wie und wann man Büsche, Obstbäume und Rosen schneidet. Weiß was gegen Schädlinge zu tun ist und wann es Zeit ist bestimmte Pflanzen für den Winter warm einzupacken. Mein Ur-Opa wäre stolz wie Bolle.
Der Balkon ist noch immer mein Sorgenkind, aber er ist auch ein Südbalkon und das kann nicht jede Pflanze ab. Wir lernen jährlich dazu, die Pflanzen und ich.
Meine Zimmerpflanzen jedoch gedeihen prächtig. Von mir aus könnte jeder Winkel meines Wohnraums in strahlendem, lebendigem Pflanzengrün erstrahlen. Und da das so ist, sind neue Pflanzen-Freunde immer Willkommen. Wie dieser kleine Racker, den meine Freundin Bine mir mitgebracht hat. Eine Schefflera arboricola, eine Strahlenaralie. Sie mag es hell, aber nicht sonnig, mäßig feucht, aber keine Staunässe. Ich denke wir werden gut miteinander auskommen, denn hell und mäßig feucht….das kann ich!
Ich weiß nicht wann es passiert ist, aber irgendwann habe ich es begriffen. Pflanzen sind lebende Organismen. Sie atmen und fühlen. Natürlich wusste ich das schon immer, aber wissen und wirklich begreifen sind zwei Paar Schuhe. Eine Pflanze zu pflegen und am Leben zu erhalten, dazu braucht man Geduld und Aufmerksamkeit, Zeit und Liebe. Man muss bereit sein ein gewisses Maß an Verantwortung zu übernehmen. Besonders schön wird das von Erico in Banana Yoshimotos kitchen gesagt:

“Aber wer wirklich auf eigenen Füßen stehen will, der sollte irgendetwas großziehen. Ein Kind. Eine Topfpflanze. Dann merkt man, wo die Grenzen sind. Und da fängt erst alles an.”
(Erico zu Mikake; kitchen von Banana Yoshimoto)

Ich hoffe es gelingt mir noch viele Pflanzen groß zu ziehen und am Leben zu erhalten. Denn morgens in einem grünen Dschungel aus Zimmerpflanzen aufzuwachen erfüllt mich mit unbändiger Freude und Stolz.

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