Lieblingsbücher 2016

17-02-Buecher

Hand aufs Herz. 2016 war nicht mein bestes Lesejahr. Ich habe monatelang kein Buch aufgeschlagen, um dann vier Bücher in zehn Tagen zu verschlingen. Insgesamt waren es 14 Bücher, von denen keins eine Qual war. Entweder habe ich einfach Glück, oder ich werde immer besser in der Auswahl von Büchern, die ich mögen könnte.
Meine Favoriten (es sind ganze acht) stelle ich euch jetzt kurz vor:

Ruth Ozeki – Geschichte für einen Augenblick (Januar)
Was ein Start ins neue Jahr. Ich habe zwar drei Monate an diesem Buch gelesen, aber ich möchte keine Minute davon missen. Geschichte für einen Augenblick ist ein fantastisches Buch. Wir treffen die Schriftstellerin Ruth und die Schülerin Naoko, die eine auf einer kleinen kanadischen Insel, die andere im fernen Japan. Verbunden durch eine Flaschenpost von Naoko. Was folgt ist eine Geschichte über Buddhismus, Quantenphysik, Mobbing, Kamikazeflieger und vieles mehr. Alles wie durch unsichtbare Fäden miteinander verbunden. Über dieses Buch werde ich noch sehr lange nachdenken.
“Es ist, als würde ich in der Zeit vorgreifen und dich berühren, und jetzt, da du es gefunden hast, greifst du zurück und berührst mich!”

(Wer mich gut kennt erinnert sich vielleicht noch an meine unglückseeligen Versuche 2007 eine Hausarbeit über die Ähnlichkeit zwischen Buddhismus und Quantenphysik zu schreiben. Und hier ist die Verbindung, zehn Jahre später….und soviel besser erklärt. Zufall?)

Donna Tartt – Die geheime Geschichte (März)
Diesen wunderbaren 570 Seiten Wälzer habe ich innerhalb von zwei Tagen verschlungen. Zu spannend war sie, zu faszinierend. Die Geschichte um Richard Papen und seine fünf Kommilitonen im Institut für Altgriechisch am College. Es ist kein Geheimnis, dass einer von ihnen stirbt, kein Geheimnis, dass die anderen Mitglieder der Gruppe Schuld tragen. Das alles steht schon auf der ersten Seite. Aber was dann folgt – es dauert erstmal 300 Seiten bis die Tat begangen wird – ist ein wirbelnder, nicht aufzuhaltender Strudel an Ereignissen und zwischenmenschlicher Berechnung, voller Intelligenz und Spannung, an dessen Ende man erkennen muss, dass man sich selbst so sehr in der Geschichte verloren hat, dass man bereit ist mit ihren Akteuren unterzugehen.
“Ich nehme an, es gab eine Zeit in meinem Leben, da hätte ich eine beliebige Anzahl von Geschichten gewußt, aber jetzt gibt es keine andere mehr. Dies ist die einzige Geschichte, die ich je werde erzählen können.”

Haruki Murakami – Südlich der Grenze, westlich der Sonne (August)
Ach Murakami…was soll ich sagen. Deine Sprache wunderschön, deine Geschichten packend, deine Charaktere liebenswert und zerbrechlich. Bereits im Jahr 2000 erschien Murakamis Roman erstmals in deutscher Sprache. Aus dem englischen übersetzt trug er den Titel Gefährliche Geliebte. Die Neuübersetzung von Ursula Gräfe Südlich der Grenze, westlich der Sonne ist seit 2015 in den Läden und soll durch die Direktübersetzung aus dem japanischen dem Original näher sein. Der Roman erzählt die Geschichte von Hajime, der nach Jahren seine Jugendliebe Shimamoto wieder sieht. Eine Begegnung die sein Leben völlig durcheinander bringt. Ein geheimnisvolles, mystisches Buch, wundervoll und ausdrucksstark geschrieben.
“Ich schloss die Augen und klammerte mich an sie, um nicht irgendwohin zu verschwinden.”

Carlos Ruiz Zafón – Der Gefangene des Himmels (August)
Das (zur Zeit) letzte Buch von Zafóns Reihe um den Friedhof der vergessenen Bücher. Ich habe mich lange gedrückt es zu lesen, weil ich immer noch einen Zafón im Schrank haben wollte. Für den Fall, dass ich einsam bin und alte Freunde wieder treffen will. Irgendwann siegt aber immer die Neugier. In Der Gefangene des Himmels erzählt Fermín seine Geschichte. Er erzählt sie seinem Freund Daniel, weil Fermíns Geschichte auch Daniels Geschichte ist. Auch in diesem Buch spannt Zafón meisterhaft neue Fäden zwischen den einzelnen Erzählsträngen seiner Bücher, die wir vorher nicht einmal erahnen konnten. Ein absolutes Lesemuss!
“Es gibt Zeiten und Orte, da niemand zu sein ehrenwerter ist, als jemand zu sein.”

Wer noch nichts von Zafón gelesen hat, dem würde ich (obwohl es im Grunde egal ist und hier die Meinungen auch stark variieren) folgende Reihenfolge vorschlagen: Der Schatten des Windes, Der Gefangene des Himmels, Das Spiel des Engels. Und dann darf gespannt auf den vierten und letzten Roman der Reihe gewartet werden.

Carlos Ruiz Zafón – Marina (August)
Ich weiß gar nicht genau wie ich Marina beschreiben soll. Dieses Buch ist wie ein Fieberschub, der einen erfasst, mitreißt und am Ende völlig entkräftet und verwirrt zurück lässt. Marina ist nichts für zartbesaitete Menschen. Was anfänglich nach einer ganz normalen Liebesgeschichte zwischen dem jungen Schüler Óscar und der schönen Marina aussieht, entpuppt sich schnell als packender, mysteriöser und manchmal gruseliger Roman. Auf den 350 Seiten begegnen einem Falter, die Dame in Schwarz, lebende Marionetten und andere Absonderlichkeiten. Und natürlich auch das wundervolle Barcelona der vergangenen Tage, das Zafón mit seiner poetischen Sprache immer wieder zum Leben erweckt. Ein spannender Lesegenuss, der einiges ist, nur nicht normal.
“Wir alle haben im Dachgeschoss der Seele ein Geheimnis unter Verschluss.”

Elena Ferrante – Meine geniale Freundin (September)
Endlich gibt es Meine geniale Freundin, den ersten Band von Ferrantes Neapolitanischer Saga, in deutscher Sprache. Der hochgelobte feministische Roman über die Freundschaft zwischen Lenu und Lila, die sich im Mädchenalter im Neapel der fünfziger Jahre kennen lernen und über 60 Jahre Freunde bleiben. Die eine ehrgeizig, wild und schön, die andere fleißig, still und bescheiden. Beide sehr klug und sehr arm. Während Lenu aufs Gymnasium gehen darf, wird der genialen Lila die weitere Schulbildung verweigert. Die Wege der Mädchen trennen sich, aber ihre Freundschaft bleibt bestehen, aller Verschiedenheit, Intrigen und Erschwernissen zum Trotz. Ich bin schon gespannt, wie es weiter geht.
“Wir waren erst zwölf Jahre alt, doch wir spazierten wie zwei zarte, alte Damen, die ihr an Enttäuschungen reiches Leben Revue passieren ließen und sich aneinander festhielten, durch die glühend heißen Straßen des Rione, durch den Staub und die Fliegen, die von den vorüberfahrenden alten Lastwagen aufgewirbelt wurden.”
Band 2 Die Geschichte eines neuen Namens erschien bereits am 10. Januar.
Band 3 Die Geschichte der getrennten Wege wird am 8. Mai erscheinen.
Band 4 (der letzte) Die Geschichte des verlorenen Kindes wird passend zur Frankfurter Buchmesse am 9. Oktober erscheinen.

Marina Keegan – The Opposite of Loneliness (Oktober)
Was für ein bedeutendes Buch und welch tragische Geschichte. 2012 macht Marina Keegan ihren Abschluss magna cum laude an der Universität in Yale. Die junge Frau hat sich bereits durch einige Artikel einen Namen gemacht und ein heiß begehrter Job bei der New York Times wartet auf sie. Doch dann verunglückt sie fünf Tage nach ihrem Abschluss tödlich. The Opposite of Loneliness beinhaltet Kurzgeschichten und Essays, welche von ihren Eltern und engen Freunden ausgewählt wurden. Herausgekommen ist eine sehr berührende, ausdrucksstarke und wichtige Sammlung, die ich wirklich jedem ans Herz legen möchte, da jeder einzelne Leser irgendwo auf den Seiten etwas von sich selbst wiederfinden wird. Versprochen!
“What we have to remember is that we can still do anything. We can change our minds. We can start over.”

Benedict Wells – Vom Ende der Einsamkeit (Oktober)
Mit großer Spannung habe ich auf den neuen Wells gewartet. Und ich wurde nicht enttäuscht. Selten habe ich ein Buch gelesen, dass die Beziehung unter Geschwistern so gut einfängt, wie dieses. Ein wunderbar melancholisches, sanftes Buch über Verlust, Einsamkeit und Liebe. Ein Buch das Hoffnung macht und einen mit einem wohligen Kribbeln im Bauch zurück lässt. Und ein sprachlicher Hochgenuss. Jedem, der den Untergang der deutschen Sprache durch die Verrohung der Jugend prophezeit, möchte ich dieses Buch ins Gesicht halten und HA rufen.
“Die Einsamkeit in uns können wir nur gemeinsam überwinden.”
Und ihr? Welche Bücher habt ihr 2016 gelesen, die euch berührt haben. Euch zum Weinen, Lachen, Nachdenken angeregt haben?
Auf bald
Nina

sommerleseliste

16-06-25-Sommerleseliste

Im letzten Post hatte ich bereits erwähnt, dass die schönen Dinge des Lebens in letzter Zeit zu kurz gekommen sind. Auch meine Bücherfreunde saßen kläglich verlassen auf den Regalbrettern und warteten darauf, dass ich sie herausnehme und sie für eine unbestimmte Zeit vom Bett zur Couch trage, in Handtaschen und Rucksäcken überall mit hinnehme, damit ich nicht ganz alleine an einem Bahnhof sitze und auf den Zug warte.
Ich habe das Lesen vermisst. Bücher waren immer mein Zufluchtsort, wenn mir die Welt zu hektisch wurde oder durcheinander geraten war. Mit einem Buch konnte man sich herrlich irgendwo verkriechen und einfach für ein paar Stunden nicht da sein. Für eine kurze Zeit in einer anderen Welt verweilen, weg von dieser.
In den letzten Wochen habe ich sehr viel darüber nachgedacht, was mir früher geholfen hat die Hektik des Alltags und den Stress zu bewältigen und vergessen zu lassen. Was ich gemacht habe, um einen ruhigen Gegenpol zu schaffen. Lesen war definitiv ein elementarer Bestandteil meines Lebens und ich habe vor die Bücher wieder zurück in mein Leben zu holen. Deshalb habe ich mir diese 11 Bücher ausgesucht, die ich über den Sommer lesen will. Bücher auf die ich schon lange Lust habe und die mir die Freude am Lesen zurück geben werden, da bin ich sicher.

  • Virginia Woolf – Ein Zimmer für sich allein
  • Daniel Kehlmann – Ich und Kaminski
  • Eugen Ruge – In Zeiten des abnehmenden Lichts
  • Vea Kaiser – Blasmusikpop
  • Muriel Barbery – Die Eleganz des Igels
  • Carlos Ruiz Zafón – Der Gefangene des Himmels
  • Kazuo Ishiguro – Alles, was wir geben mussten
  • Sibylle Berg – Vielen Dank für das Leben
  • Haruki Murakami – Südlich der Grenze, westlich der Sonne
  • Dörte Hansen – Altes Land
  • Astrid Lindgren – Die Menschheit hat den Verstand verloren

Was lest ihr über den Sommer? Und was hilft euch in hektischen Zeiten beim Abschalten?
Lasst es euch gut gehen

(books) still alice

16-02-stillalice

Alice ist fünfzig. Sie ist Professorin für Linguistik in Harvard, verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Sie reist viel und hält Vorträge über ihre Forschung in der ganzen Welt. Erst entfällt ihr ein Wort, dann weiß sie nicht mehr, was Punkte auf ihrer ToDo Liste bedeuten sollen und dann verläuft sie sich vor ihrer eigenen Haustür. Beim Arzt bekommt sie die erschütternde Diagnose Alzheimer.
In Still Alice geht es darum was bleibt, wenn einem die eigene Erinnerung an Ereignisse und das Wissen immer mehr entgleiten. Es ist ein sehr berührendes Buch, welches trotz der schwierigen Thematik leicht zu lesen ist. Welches aber auch viele Fragen aufwirft, die nicht einfach so zu beantworten sind.
Wie sollte man mit Jemandem umgehen, der an Alzheimer erkrankt ist? Sollte man ihn erinnern oder akzeptieren, dass er/sie sich nicht erinnert? Wieviel und was kann ein Mensch mit Alzheimer noch selbst entscheiden? Und wo sind die Grenzen? Was bleibt, wenn die Erinnerung geht?
Durch Alices Mann und ihre Kinder bekommt man einen guten Einblick in den unterschiedlichen Umgang mit Alice und die verschiedenen Sichtweisen zu diesen Fragen.
Erwähnenswert ist auch der Schreibstil, welcher zu Beginn sehr dicht und detailliert ist und gegen Ende des Buches immer lückenhafter wird und große Zeitsprünge macht. Die Krankheit auch auf diese Weise sichtbar zu mache, finde ich persönlich sehr gelungen.
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LISA GENOVA – STILL ALICE. MEIN LEBEN OHNE GESTERN
Bastei Lübbe, 2015
OT: Still Alice
316 Seiten

(books) Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

Das Leben war ganz anders, wenn man sich zu Fuß darin bewegte.

15-11-14-HaroldFry

Als Harold Fry einen Brief von seiner früheren Kollegin Queenie Hennessy bekommt, will er eigentlich nur seinen Antwortbrief in den Briefkasten werfen. Aber Queenie liegt im Sterben und Harold läuft einfach weiter, am Briefkasten vorbei, aus dem Ort und die ganzen 1000 Kilometer bis zu Queenies Hospitz. Er läuft für Queenie, für seine große Liebe Maureen, für seinen Sohn. Während seiner Wanderung trifft er viele Menschen, manche helfen ihm, andere wollen sich nur an seiner Bekanntheit bereichern. Die Wanderung ist nicht leicht, denn Harold ist nicht mehr der Jüngste. Aber er steht jeden Morgen auf und läuft weiter. Trotz der Blasen an den Füßen, den Schweißausbrüchen und den müden Knochen.
Ein wundervolles Buch über Freundschaft, Liebe, Einsamkeit, Mut und tiefe Verbundenheit.

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry hat mich sehr bewegt.
Ich habe viel gelacht und geweint, ich war wütend und dann wieder sehr beglückt. Harold ist ein wunderbarer Charakter. Ich habe mich ihm immer verbunden gefühlt. Egal wie unwahrscheinlich und verrückt sein Plan war, ich war immer auf seiner Seite. Ich habe immer an ihn geglaubt. Aber auch Maureen und der hilfsbereite Nachbar Rex haben nach anfänglicher Zurückhaltung und Misstrauen im Sturm mein Herz erobert.
Zu sehen, wie Harold und Maureen über die Seiten des Buches und durch Harolds Wanderung immer mehr zurück zu sich selbst finden, hat mich sehr glücklich gemacht.
Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harol Fry ist ein Buch, das mich noch lange im Herzen begleiten wird.
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RACHEL JOYCE – DIE UNWAHRSCHEINLICHE PILGERREISE DES HAROLD FRY
Fischer Verlag, 2015 (11. Auflage)
OT: The Unlikely Pilgrimage of Harold Fry
378 Seiten

leseliste

15-11-18-Leseliste

Wie ich letztens erwähnte, arbeite ich gerade daran alles Angefangene zu beenden. Am Besten bis Ende des Jahres. Natürlich gilt das auch für Bücher. Zur Zeit habe ich neun Bücher, in denen ich lese. Einen Roman, einen Kurzgeschichtenband, einen Gedichtband, ein Kunstbuch, ein Buch mit Essays und vier Sachbücher. Peinlich ist, dass ich eins dieser Bücher schon aus dem letzten Jahr mitgenommen habe. Und diese Bücher sind nicht mal schlecht oder uninteressant. Deshalb will ich sie jetzt endlich beenden, denn sie haben etwas besseres verdient, als halb gelesen auf meinen Regalen zu sitzen. (Außerdem muss ich zwei Bücher zurück in die Bücherei bringen)

Ruth Ozeki – Geschichte für einen Augenblick (Angefangen Oktober 2015)
Masha Kaléko – Mein Lied geht weiter (Angefangen September 2015)
Horst Evers – Wäre ich du, würde ich mich lieben (Angefangen August 2015)
Frauen die lesen sind gefährlich (Angefangen Juli 2015)
Richard Nelson Bolles – Durchstarten zum Traumjob (Angefangen November 2015)
Elisabeth Gilbert – Big Magic (-)
Anne Lamott – Bird by Bird (Angefangen November 2015)
Siri Hustvedt – Living, Thinking, Looking (März 2015)
Guilia Enders – Darm mit Charme (September 2014)

Lest ihr auch immer mehr als ein Buch? Oder bin nur ich das?
Ich wünsche euch einen wundervollen Mittwoch.

 

 

(books) ein mann namens ove

Ove will wirklich nur in Ruhe sterben dürfen. Ist das zu viel verlangt?
Ove findet das nicht.

15-9-23-Ove

Fredrik Backman erzählt uns die Geschichte von Ove. Ove, der seine Frau verloren hat, seinen Job und jetzt einfach keine Lust mehr hat. Deshalb will er sich umbringen. Er bereitet alles ganz genau vor, geht seine morgendliche Kontrollrunde und dann….kommt immer irgendetwas dazwischen. Die “schwangere Ausländerin und der Trottel”, die mit ihren Kindern neben an einziehen. Der Junge, der keine Fahrräder reparieren kann. Die Katze, die im Viertel rumstromert. Und die Sache mit Arne.
Dabei ist Ove ein richtiger Grummel, der sich eigentlich nicht um die anderen schert. Eigentlich kann keiner es ihm recht machen. Eigentlich müsste man Ove unausstehlich finden. Tut man aber nicht. Weil Ove unter seiner grummeligen Schale ein gutes Herz hat. Weil er, obwohl er nur in Ruhe sterben will, immer zur richtigen Zeit das Richtige tut. Man muss Ove einfach gern haben und ein Bisschen versteht man ihn auch. Die Welt ist nicht mehr die, die er kennt und in der er für andere wichtig war. Dass er das immer noch ist, muss Ove erstmal selbst begreifen. Und wie die Geschichte endet, verrate ich nicht.
Aber eins kann ich sagen: Ich kann Ein Mann namens Ove nur wärmstens empfehlen. Es hat alles, was ein Buch braucht. Ich habe gelacht, ich habe geweint und ich habe mein Herz an die liebevoll geschriebenen Charaktere verloren. Auf den ersten Blick erscheint das Buch wie ein lustiger Unterhaltungsroman. Doch nach und nach begreift man, dass es um mehr geht, als um einen alten Mann, der es nicht schafft sich umzubringen. Es geht um Einsamkeit, Freundschaft und Solidarität, um Liebe und Verlust und darum, wie wichtig es ist, dass man irgendwo einen Platz hat an den man gehört und Menschen für die es einen Unterschied macht, ob man da ist oder nicht.
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FREDRIK BACKMAN – EIN MANN NAMENS OVE
Fischer Verlag, 2015
OT: En man som heter Ove, 2012
363 Seiten

 

(books) sommerleseliste

Eins der schönsten Dinge am Kindsein sind die Sommerferien. Sechs endlos scheinende Wochen, die man mit Freunden, Wassermelone, Sommerfamilienurlaub am Meer, Eis essen und Büchern lesen verbringt.
An einer Schule zu arbeiten hat viele Vorteile. Einer davon sind die Sommerferien, auch wenn sie nicht mehr so endlos und frei sind, wie vor 20 Jahren. Aber man kann sie immer noch mit Ausflügen, Urlaub am Meer, Eis, Wassermelone und Büchern füllen. Um mir die Auswahl ein wenig zu erleichtern, habe ich eine kleine Sommerleseliste zusammen gestellt. Mit all den Büchern, die mich irgendwie an Sommer erinnern. Die Liste ist natürlich sehr ambitioniert, aber man weiß ja nie, auf was man Lust hat. Deshalb gibt es von allem was: Romane, Kurzgeschichten, Essays, Klassiker, Fantasy, dicke und dünne Bücher, unbekannte Schriftsteller und alte Favoriten. 

Und weil Listen so was feines sind, folgt sie so gleich auf schnellem Fuße:
Giulia Enders – Darm mit Charme (schon angefangen)
Nina Sedano – Die Ländersammlerin (schon angefangen)
Siri Hustvedt – Living, Thinking, Looking
Marina Keegan – The Opposite of Loneliness
Patrick Rothfuss – Die Furcht des Weisen I
Horst Evers – Wäre ich du, würde ich mich lieben
Wolfgang Herrndorf – Bilder deiner großen Liebe
Ernest Cline – Ready Player One
Carlos Ruíz Zafón – Der Gefangene des Himmels
Haruki Murakami – Kafka am Strand
Jeffrey Eugenides – The Virgin Suicides
Joan Didion – The Year of Magical Thinking
Jostein Gaarder – Das Orangenmädchen
Julia Stuart – Der Liebeszauber des Monsieur Ladoucette
F. Scott Fitzgerald – The Great Gatsby
Tove Jansson – Sommarboken
Banana Yoshimoto – Tsugumi
Stephen King – Wolfsmond (nicht auf dem Foto, will ich ab August mit meiner Freundin Sarah lesen)

Mal sehen, wonach mir der Kopf steht. Erstmal was kurzes für die verbleibenden Tage, die ich noch den Bus nehmen muss.
Und was lest ihr so im Sommer? Habt ihr einen Buchtip, den ich mir unbedingt noch diesen Sommer anschauen muss?

Ich wünsche euch einen schönen Tag,
eure Nina 

(books) vier arten die liebe zu vergessen

Im Alter von 15 Jahren war mein Lieblingsbuch “Das Herz ist eine miese Gegend” von Thommie Bayer. Und das blieb ziemlich lange so. Ich habe es etliche Male verschenkt und noch etlichere Male gelesen. Aus irgendeinem Grund hat die Geschichte von Giovanni und Laura mich zutiefst berührt.
Nun habe ich dieses Jahr, 15 Jahre später, endlich wieder ein Buch von Thommie Bayer gelesen. In “Vier Arten die Liebe zu vergessen” treffen sich vier ehemalige Klassenkameraden, genannt die Nachtigallen, sich am Grab ihrer Lehrerin wieder, durch die sie erst zu Freunden geworden sind. Erzählt wird die Geschichte vorrangig aus Michaels Sicht, doch durch etliche Wechsel der Erzählperspektive erfährt man viel über das Innenleben von Thomas, Bernd und Wagner. Schnell wird deutlich, dass sie alle an der Liebe gescheitert sind, aber auch dass man kaum vier unterschiedlichere Charaktere hätte finden können. Was die vier Nachtigallen vereint ist das Singen und ihre frühere Freundschaft. Ein Besuch bei Michael in Venedig führt zu einer Veränderung jedes Einzelnen und zeigt, ob es ihnen gelingt ihre Freundschaft wieder aufleben zu lassen.

Neben der Haupthandlung in der Gegenwart gibt es immer wieder Rückblicke aus Michaels Sicht. Durch die Rückblicke erfährt der Leser, wie sich die Nachtigallen kennen gelernt haben und Freunde wurden. Und wie das Leben sie auseinander gerissen hat bis sie sich am Grab ihrer Lehrerin wieder treffen.
Die Perspektivwechsel innerhalb der Handlung sind mit dem jeweiligen Namen versehen, so dass man keine Probleme hat zu erkennen, wer gerade spricht. Michaels Erzählungen machen zum Glück einen Großteil der Geschichte aus, denn er ist wesentlich sympathischer als die anderen.
An sich finde ich die Idee des Perspektivwechsels gut. So erfährt man wie der jeweilige Charakter die Situation empfindet und was er denkt. Außerdem erfährt der Leser hierdurch sehr schön, dass alle Vier Geheimnisse haben, die sie den anderen nicht erzählen, um das Bild vom perfekten Leben zu wahren. Als gäbe es einen Preis für das beste Leben ohne Schwachstellen zu gewinnen.
Für mich persönlich war jedoch die Mischung von Perspektivwechsel und Zeitsprüngen ein wenig zu viel der literarischen Kniffe.
Auch war ich ein wenig enttäuscht, es ist eben nicht “Das Herz ist eine miese Gegend”. Was jedoch nicht heißt, dass es kein gutes Buch war, im Gegenteil. Die Geschichte der vier Freunde, die die Zeit zusammen und wieder auseinander gebracht hat, hat mir gut gefallen und mich an vielen Stellen nachdenklich gemacht.
Der Großteil des Buches spielt sich in Venedig ab. Hier zeigt sich deutlich, wie gut Thommie Bayer Stimmungen einzufangen kann. Während dem Lesen bin ich durch die Gassen Venedigs spaziert, habe die Tauben auf dem Markusplatz gehört und das Tuckern der Müllboote. Ich habe die Paläste am Ufer vor meinem inneren Auge gesehen und die salzige Luft eingeatmet, während ich mit Michael auf dem Vaporetto über den Canal Grande gefahren bin.
Ich bin hin und her gerissen, wie mein abschließendes Fazit aussieht. Vier Arten die Liebe zu vergessen hat durchaus seine starken und atmosphärisch aufgeladenen Momente, leider aber auch einige schwächere Stellen. Insgesamt war es ein gutes Buch, aber eben kein hervorragendes.

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THOMMIE BAYER – VIER ARTEN DIE LIEBE ZU VERGESSEN
Piper Verlag, 2014
281 Seiten

Spuren

Letze Woche war ich im Kino, um mir Spuren anzusehen. Eigentlich wollte ich ihn schon im April schauen, aber durch die USA Vorbereitungen ist das völlig untergegangen. Zum Glück zeigt unser Dorfkino immer den Film des Monats und im August war das Spuren.

Als ich 18 war, hatte ich eine Australien-Phase. Ich habe dieses Land förmlich aufgesaugt, habe Dokus geschaut, Bilder betrachtet und alles zum Thema gelesen, was mir in die Finger kam. So auch das Buch Spuren (Tracks) von Robyn Davidson. Die Geschichte einer jungen Frau, die mit Kamelen durch die Wüste Australiens zieht, hat mich gleich begeistert. Allein die Tatsache, dass es in Australien die meisten wild lebenden Kamele gibt, war für mich unfassbar. Ich erinnere mich, dass mich dieses Buch lange beschäftigt hat. Als ich letzten Dienstag das Kino verlassen habe, ging es mir genau so. Ich war wieder überwältigt von dieser Geschichte. Von dem Mut, den Robyn Davidson aufgebracht hat, um alleine die Wüste Australiens von Alice Springs zum Pazifik zu durchqueren. Wie sie alle Hindernisse überwunden hat, die sich ihr in den Weg gestellt haben. Wie sie trotz Verzweiflung und Einsamkeit immer weiter gegangen ist, bis sie schließlich mit ihren Kamelen am Saum des Ozeans stand. Es ist die berührende Geschichte einer mutigen, jungen Frau, die sich gar nicht als mutig empfand. Und auch die Geschichte der wunderbaren Menschen, die ihr geholfen haben ohne etwas dafür zu verlangen.

“Der Trip war einfach. Er war nicht gefährlicher, als von einer Straßenseite auf die andere zu gehen oder zum Strand zu fahren oder Erdnüsse zu essen. Ich habe zwei wichtige Dinge dabei gelernt: Man ist so stark und mächtig, wie man sich zu sein erlaubt. Und: Der schwierigste Teil eines Vorhabens ist der erste Schritt, die erste Entscheidung.”
(Robin Davidson: Spuren, 2002, S. 248)

what katie ate

Mit Katies Kochbuch habe ich schon sehr lange geliebäugelt. Ich habe es mir zum Geburtstag und zu Weihnachten gewünscht und nachdem sich keiner meinem Wunsch erbarmt hat, habe ich es mir kurzerhand selbst gekauft. Als Belohnung für die bestandenen schriftlichen Prüfungen.

Meine Familie schüttelt immer verwirrt den Kopf, wenn ich von meinem neusten erbeuteten Kochbuch erzähle, weil ich nie so die große Köchin war. Aber Dinge können sich ja ändern. Außerdem empfinde ich Kochbücher lesen als eine Art Urlaub. Urlaub vom Alltag. Und Katies Fotos sind einfach wunderschön anzusehen. Und die Rezepte klingen ganz wunderbar. Ich würde sie am liebsten alle sofort ausprobieren. Angefangen mit der himmlischen Erdbeer-Basilikum Eiscreme…mhhhhh.

Katie hat übrigens auch einen Blog auf dem sie über Essen schreibt: What Katie ate. Zur Zeit arbeitet sie an ihrem zweiten Kochbuch, was ich schon sehnsüchtig erwarte.

Und ihr? Lest ihr auch so gerne Kochbücher wie ich?
Alles Liebe,
Nina