wandern im rheingau

Vor ein paar Wochen war meine Freundin Holly aus Amerika hier. Bei unserem Abschied Ende Mai 2014 hätten wir beide nie geglaubt uns so bald wieder zu sehen. Aber so war es. Kaum ein Jahr später gingen die Türen am Frankfurter Flughafen auf und Holly kam mir entgegen. Und es war wieder wie immer. Zwar hatten wir nur die Wochenenden, aber sie waren wundervoll, soviel geschenkte gemeinsame Zeit. Wir haben Frankfurt unsicher gemacht, Marmelade gekocht, gelacht, Dokus geschaut und einfach nur nebeneinander gesessen. Für einen Samstag hat mein Papa eine Wandertour für uns ins Rheingau geplant.
Und so brechen wir sehr früh mit dem Auto auf, um gegen 9 Uhr auf den Rheinsteig zu kommen. Wie immer hat mein Papa schon Wasser, Müsliriegel und Obst in dreifacher Ausführung für jeden zum Einpacken bereit gelegt.
Wir parken oberhalb von Hallgarten bei Oestrich-Winkel. Dort gibt es einen kleinen Parkplatz von dem aus man direkt auf den Rheinsteig einsteigen kann. Von hier aus schlängelt sich der Weg abwärts, nur blöd, dass wir ihn auch wieder zurück laufen müssen.

Wolkenberge türmen sich unheilvoll am Himmel auf, während wir den schmalen, unebenen Pfad einschlagen. Die Kornfelder wiegen sich im Wind wie ein großes grünes Meer. Ein Anblick, der fast ein Bisschen weh tut, weil er so schön ist.
Als die ersten Tropfen fallen, erreichen wir gerade das erste Waldstück. Uns empfängt der typische Waldgeruch nach Tannen und feuchter Erde. Auf dem geebneten Waldweg bleiben wir eine ganze Weile. Der Rheinsteig ist hervorragend ausgeschildert und man läuft an keiner Stelle Gefahr sich zu verlaufen, solange man einfach den kleinen blauen Schildern mit dem R darauf folgt. An mancher Stelle kreuzen Weinwanderwege den Rheinsteig und laufen eine Weile gemeinsam mit ihm, bevor sie wieder abknicken.
Nach einer Stunde kommen wir an einen kleinen Modellfliegerplatz, an dem wir eine Pause machen, um von unserem Proviant zu naschen.

Kurz nach dem Fliegerplatz öffnet sich der Wald komplett und gibt den Blick auf das Tal frei. Wein wohin das Auge reicht. Hier treffen wir auch zum ersten Mal auf andere Wanderer. Kleinere Gruppen älterer Menschen und Familien, einige allein unterwegs, andere in großen Gruppen geführter Weintouren.
Kurz drauf sieht man schon hinter dem Wein die Dächer von Schloss Vollrads hervor gucken. Hier wollen wir einen kleinen Stop einlegen und vielleicht einen halben Wein trinken. Je näher wir kommen, desto deutlicher wird wie beeindruckend groß und robust Schloss Vollrads ist.

Der Wohnturm aus dem 14. Jahrhundert ist der älteste Teil des Schlosses, welches bis 1997 der Familie Greiffenclan als Wohnsitz diente. Weinbau wird hier seit dem frühen 13. Jahrhundert betrieben. Als wir im Schlosshof unseren Wein trinken, reißt die Wolkendecke auf.
Die Sonne begleitet uns auf den letzten 1,5 Kilometern durch die Weinberge zum Schloss Johannisberg. Auf diesem Streckenabschnitt nehmen die Wandergruppen deutlich zu. Auf Schloss Johannisberg wimmelt es nur so von Touristen, die im zugehörigen Ausflugslokal zu Mittag essen oder sich wie wir Kaffee und Kuchen gönnen.
Schloss Johannisberg hat eine lange Geschichte. Seine Anfänge liegen im 12. Jahrhundert, als klösterliche Priorei des Mainzer Benediktinerklosters Sankt Alban. Nach dem Niedergang des Klosters und dem Dreißigjährigen Krieg gelangte der gesamte Johannisberg an den Fuldaer Fürstabt Konstantin von Buttlar, welcher das Schlossgebäude und das Kelterhaus errichten lies. Hier wird seit jeher Riesling angebaut und 1775 führte ein glücklicher Zufall zur Entdeckung der Spätlese.

Bekannt ist Schloss Johannisberg aber nicht nur wegen seines ausgezeichneten Weins, sondern auch für das Mitwirken beim Rheingau Musik Festival, welches jährlich auch im Konzertsaal und der Basilika stattfindet. Die Basilika, welche 1942 durch britische Fliegerbomben zerstört und nach Plänen aus dem 12. Jahrhundert wieder errichtet wurde, empfängt uns mit Kühle und dem Geruch nach feuchtem Sandstein. Die Wände und Säulen sind weiß getüncht, die Einrichtung reduziert. Licht fällt aus den Fenstern im Obergarden und dem Seitenschiff in die Basilika, es ist ganz still und friedlich.

Aus der Basilika geht es wieder raus auf den geschäftigen und lauten Schlosshof, wo gerade wieder eine Reisegruppe eintrifft. Es ist 13 Uhr und perfekte Mittagessenszeit. Wir treten den Rückweg an. Uns trennen 7 Kilometer bergauf von unserem Auto und wir haben noch einen weiteren Stop auf dem Plan. Der Anstieg ist auf manchen Teilstrecken heftig für einen aus der Übung geratenen Wanderer wie mich. Ich habe generell immer Probleme mit Anstiegen. Zwei Stunden, eine Pause und etliche Reisegruppen später erreichen wir erschöpft und glücklich das Auto. Das Wetter hat zum Glück mitgespielt und wir sind in keine größeren Wolkenbrüche geraten.

Mit dem Auto geht es weiter zum Kloster Eberbach. Das ehemalige Zisterzienserkloster wurde im Jahr 1136 gegründet und hat eine bewegte Geschichte. Unter anderem diente das Kloster als Heilanstalt, Gefängnis und Jugendherrberge. Das zugehörige Weingut befindet sich bereits seit 1803 in staatlichen Händen und heute beherbergt das Kloster Eberbach mit den hessischen Staatsweingütern das größte deutsche Weingut.
Berühmtheit erlangte das Kloster Eberbach durch den Film Im Namen der Rose mit Sean Connery, dessen Innenaufnahmen im Jahr 1985 fast ausschließlich im Kloster entstanden.
Gerade rechtzeitig für unseren Besuch bricht die Sonne erneut durch die Wolken und lässt den Kreuzgang in wunderschönem Licht erstrahlen.

Auch die Basilika des Kloster Eberbachs wird für das Rheingau Musik Festival und andere Konzerte genutzt. Hier wurden die Aufnahmen für das Album Officium von Jan Garbarek und The Hilliard Ensemble gemacht, weil in der Basilika der Klang eines Saxophons zu Gänsehautmomenten führt.
Besonders angetan hat es mir aber nicht die Basilika mit ihren weißen Wänden und dem berühmten Klang, sondern das Mönchsdormitorium mit seinem wundervollen Kreuzrippengewölbe. Insgesamt ist das Kloster innen meist schmucklos und einfach gehalten und genau darin liegt meiner Meinung nach sein unbestechlicher Charme, in der Klarheit und Einfachheit.

Unser Tag endet allerdings nicht hier, sondern im Weingut Corvers-Kauter in Oestrich-Winkel, wo wir uns eine gemischte Käseplatte und natürlich ein Glas Wein gönnen, bevor wir uns auf den Weg nach Hause machen.

 

momente des lebens: fehmarn


Fehmarn, Deutschland, September 2014.

Ich bin wieder da. Am letzten Wochenende war ich bei meiner Schwester auf Fehmarn. Wir haben im Campingbus geschlafen, haben lange Spaziergänge mit Jazz gemacht, das Meer betrachtet, Nordlichter gejagt. Fehmarn hat mir sehr gefallen. Die Menschen sind sehr nett und alles ist ein wenig langsamer. Besonders die Stille hat es mir angetan. Die Geräusche der Natur und die Abwesenheit jeglichen Lärms.

momente des lebens: cádiz


Cádiz, Spanien, 2008.

Im Spätsommer 2008 waren Lisa und ich in Spanien unterwegs. Mit einem gemieteten Smart kurvten wir über die löchrigen Straßen Andalusiens. Von Jerez über Sevilla, Córdoba, Málaga und Tarifa nach Cádiz. Wir haben viele ganz wundervolle Orte gesehen und nette Menschen kennengelernt. Cádiz ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben. Nicht nur weil wir im besten Hostel der Welt gewohnt haben, sondern weil Cádiz einfach so schön ist. Mit ihren kleinen Gassen, dem Atlantikwetter und der goldenen Domkuppel, die in der Sonne glänzt, hat sie mein Herz im Sturm erobert. Ich habe einfach eine Schwäche für Hafenstädte.

momente des lebens


Catagena, Spanien, September 2011.

Ich erinnere mich als wäre es gestern. Nach einem langen Nachmittag in den Straßen von Catagena nahm mich Bella mit in ein kleines Hafenlokal, wo ich die beste Paella meines Lebens aß und meine Kindheitsphobie gegen Calamari heilte. Währen die Schiffe begleitet von hunderten Möwen in den Hafen einfuhren, saßen wir in Mitten der Spanier und genossen mit einem Tinto de Verano den Abend.

i left my heart in san francisco 1

Diese Posts (es werden 3 oder 4) zu schreiben hat mich eine halbe Ewigkeit gekostet. Weil ich ein lachendes und ein weinendes Auge dabei habe. Weil mein Herz vor Freude hüpft und mich im nächsten Moment die Melancholie und das Fernweh packt. Weil ich meine kleine Berkeley Familie vermisse. Aber letztendlich überwiegt der Wunsch zu erzählen und Fotos zu zeigen, vom blauen Himmel, der rauen See und der City at the bay. Von freundlichen Menschen, gutem Essen und tollen Orten.

Lange konnte ich nicht glauben, dass ich tatsächlich fliegen würde. Alleine in die USA. Ich bin bisher nur einmal alleine geflogen, das war 2010 als ich für ein Auslandssemester in Schweden die Heimat verlassen habe. Und jetzt, 2014, fliege ich alleine nach San Francisco. Ich bin aufgeregt und nervös. Wird alles gut gehen? Wird die Umsteigezeit reichen? Wird man mir meine Schokolade abnehmen? Wie wird es sein Holly nach 4 Jahren wieder zu sehen? Werde ich mich mit ihrem Freund verstehen?
Im Vorfeld habe ich Reiseführer und Tips gegen den Jetlag gelesen. Ich habe Playlisten erstellt und lange über die Bücherfrage nachgedacht. Ich fliege von Frankfurt über Detroit nach San Francisco. Auf dem ersten Flug versuche ich zu schlafen und viel zu trinken, wie es geraten wird. In Detroit muss ich durch den Zoll. Mir werden Fingerabdrücke abgenommen und lustige Fragen gestellt, meine Schokolade darf ich behalten. Alles geht beeindrucken reibungslos von statten. Welcome to the USA. Nach 10 Minuten bin ich schon auf der anderen Seite, schmeiße mein Gepäck auf das nächste Gepäckband und gehe zum nächsten Gate. Die Zeit bis zum Anschlussflug vertreibe ich mir damit Detroit Rock City von Kiss zu hören, die New York Times zu lesen und einen grünen Saft zu trinken. In San Francisco finde ich den Ausgang nicht. Ich bin den Frankfurter Flughafen gewohnt und fühle mich in San Francisco wie damals am Flughafen in Alanya. Ich erinnere mich, dass Holly was von einem Zug namens BART erzählte und laufe den Schildern in diese Richtung nach. Nach einem kurzen SMS hin und her mit ihr gehen auch schon die Türen des Zuges auf und sie kommt auf mich zu gelaufen. Was für ein Moment, so merkwürdig und doch so vertraut. Holly und ich haben uns in einem Sprachkurs in Schweden vor 4 Jahren kennen gelernt. Während sich mein Studium schon dem Ende zu neigte, hatte sie gerade erst angefangen. Uns trennten einige Jahre, die Sprache und viele viele Kilometer. Und doch wurden wir Freunde, richtig gute sogar. Über 4 Jahre schrieben wir uns Emails, Briefe und Skypten, wann immer es die Zeit zuließ. Und jetzt steht sie wieder vor mir. Es ist kaum zu glauben, dass 4 Jahre vergangen sind. Sie ist ein wenig erwachsener geworden und meiner Meinung nach ein wenig gewachsen, aber vielleicht kommt mir das als Zwerg nur so vor. Wir fahren mit dem Zug nach Berkeley. Sitzen nebeneinander wie im Bus auf dem Weg nach Dalarna und reden. Erzählen uns, was in den letzten Wochen so passiert ist. Es ist als wäre keine Zeit vergangen. Gebannt schaue ich aus dem Fenster. In Berkeley laufen wir zu ihrem Haus. Ich verliebe mich sofort in die kleinen Häuschen mit ihren Verandas. Alles ist so anders als Zuhause.

In ihrer Wohnung begrüßen uns die Katzen. Eugene steht am Herd und kocht für uns. Er ist mir sofort sympathisch. Später verrät mir Holly, dass auch er Sorgen hatte, ob wir uns verstehen. Völlig Grundlos, wie sich zeigen wird.
Nach einer erholsamen Nacht auf der Kingsize Luftmatratze und einem leckeren Frühstück mit Ei zeigt mir Eugene die Uni und bringt mich zu Holly ins Labor. Ich bekomme Laser gezeigt und erklärt woran sie arbeitet. Trotz meiner grauenhaften Kenntnisse der Physik verstehe ich, worum es hier geht. Gemeinsam ziehen wir los und erkunden das Uni Gelände, fahren mit dem Aufzug auf den Glockenturm und kaufen uns Lunch.

Den restlichen Nachmittag verbringe ich in guter Gesellschaft meines Jetlags, der alle 20 Minuten auf den Plan tritt und eine Pause verlangt. Mir ist warm, ich habe Durst und fühle mich, als hätte ich die Nacht zuvor gefeiert. Das Wasser aus den Wasserspendern schmeckt nach Chlor. Ich besichtige alte Gebäude, laufe auf kleinen Wegen durch diese sehr grüne Uni und mache Ausflüge in die angrenzenden Straßen Berkeleys.

Das hier wird nun für drei Wochen mein Zuhause sein. Ich werde hier den besten Veggi-Burger meines Lebens essen und das leckerste Vanille-Milchshake trinken. Ich werde Socken, Bücher und Secondhand-Kleidung kaufen. Sogar ein Lieblings-Café werde ich haben. Nach kürzester Zeit finde ich mich zurecht, ich kenne meine Wege und fühle mich wohl. Ich mag diese Stadt und die vielen Studenten. An zwei Dinge kann ich mich allerdings nicht gewöhnen: die Verrückten und die merkwürdigen Eichhörnchen, die in Berkeley eine Plage sind.

 

schaumkronen

Ocean Beach in San Francisco am Abend ist ein malerischer Ort. Alles ist in weiches, warmes Licht getaucht und der Himmel gleicht einem französischen Gemälde. Der Wind pustet auch den letzten blöden Gedanken aus dem Kopf. Leise verstummen die Stimmen, die dauernd über die Zukunft streiten. An einem solchen Ort ist kein Platz für die Zukunft, nur für den Augenblick und der ist ganz wundervoll. Draußen fährt ein Frachter über den Kanal aufs offene Meer und ein paar Surfer trotzen dem kalten Wasser. Die Füße im Sand stehe ich in der Brandung und halte die Nase in die salzige Abendluft. Ich höre die Wellen brechen und die Schreie der Möwen über meinem Kopf. Kleine Schaumkronen tanzen auf den spitzen der Wellen. Mit dem Sonnenuntergang zieht es auch den letzten Surfer an Land. Nach und nach verlassen die Menschen den Strand, um irgendwo etwas zu Abend zu essen und sich aufzuwärmen. Als die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist, brechen auch wir auf. Noch einen kurzen Blick zurück auf die endlosen Weiten des Ozeans, wann ich ihn wohl wieder sehe?

california here i come

Die letzten Wochen waren ziemlich nervenaufreibend und dementsprechend hier sehr ruhig. Aber nun ist alles aufgeräumt, meine Blumen sind versorgt und meine Koffer gepackt. Morgen um diese Zeit bin ich irgendwo zwischen hier und meiner Zwischenlandung in Detroit. Von dort aus geht es dann weiter nach San Francisco, wo ich schon sehnsüchtig erwartet werde. Ich bin total aufgeregt und ein Bisschen Angst habe ich auch. Aber es wird alles gut und ich freue mich Holly nach 4 Jahren endlich wieder zu sehen und einfach nur Zeit mit ihr zu verbringen. Natürlich machen wir auch ganz tolle Ausflüge und haben viele Pläne.
In drei Wochen bin ich dann wieder da, mit ganz vielen Eindrücken, Erinnerungen und Geschichten im Gepäck.
Bis dahin wünsche ich euch eine gute Zeit
eure Nina

i amsterdam

Passend zur Thronübergabe von Beatrix an Willem-Alexander, kommt hier endlich mein Amsterdam Reisebericht.
Einige warten schon viel zu lange auf diesen Post und ich habe mir tatsächlich zu lange Zeit gelassen. Mit Erschrecken habe ich festgestellt, dass es schon einen Monat her ist.

Am 22. März ging es morgens von Köln aus los. Im Zug teilten wir uns einen 4er mit 2/6 einer kleinen Paar-Reisegruppe. Lustigerweise kamen die aus der Pfalz, aus der gleichen Ecke, in der auch meine Mama wohnt. Ein lustiges Volk, die Pfälzer.
Am Bahnhof in Amsterdam empfing uns ein kalter Wind. Kein gutes Omen. Also schnell ein 48 Stunden ÖPNV Ticket gekauft und auf zum Hotel. Das entpuppte sich dann doch weiter weg, als wir dachten. Aber es war ein Schnäppchen.
Nachdem wir unsere Koffer im Hotel abgestellt und uns wärmer angezogen hatten, ging es zurück in die Stadt auf die Suche nach Essen. Leider war ich schon richtig hungrig und das ist meist nicht gut. Dann werde ich motzig und zickig und sehr nahrungsfixiert. Nachdem die arme Bella hinter mir her hechten musste, fanden wir endlich ein Bistro und es gab leckere Sandwiches. Danach war die Welt wieder in Ordnung. Gegessen haben wir im Stock, es gehört zu dem gleichnamigen Hostel. das witzige ist, man kann vom Bistro aus durch Glasfenster über zwei Etagen auf die Flure des Hostels schauen.
Wieder gelassen und fröhlich wanderten wir durch die Gassen und über die Kanäle in Amsterdams Jordaan Viertel. Der Bereich zwischen Prinsen-, Keizers- und Herengracht soll der schönste in Amsterdam sein. Ich kann nicht sagen, ob es wirklich der schönste Teil ist, aber ich kann es mir gut vorstellen. Ich habe mich gleich verliebt. Die Häuser, das Wasser, die kleinen Läden. Sogar der eiskalte Wind konnte mich davon nicht abbringen. Als es dunkel wurde haben wir auch einen Einblick in das berühmte Rotlichtviertel von Amsterdam bekommen, was ein wenig verstörend war.

   
   
Da es mit der Dunkelheit noch kälter wurde, fuhren wir zurück ins Hotel und schauten in der Bar bei einem Wein das Spiel Holland gegen Estland. Während das Spiel nur ok war, war der fluchende Kellner sehr amüsant. Er freute sich zwar, dass Holland gewann, aber offenbar spielt der Schütze des 3:0, Ruben Schaken, für den falschen Verein in Holland.

Relativ früh starteten wir in den Samstag, den wir zum Shopping-Tag erkoren hatten. Wir wollten diese kleinen Läden im Jordaan Viertel unsicher machen. Doch zuerst, wie sollte es auch anders sein, musste ein Frühstück her. Diesmal fanden wir realtiv schnell das Screaming Beans. Die Croissants waren klasse und der Hund am Nebentisch noch besser. Nach dem Frühstück zogen wird los, um das Viertel unsicher zu machen. Einen Plan hatten wir nicht, so bogen wir mal links, mal rechts ab. Den ersten Fund machte ich im De Weldaad. Dort kaufte ich einen kleinen blauen Knopf für meine Komode und ein super Master-Geschenk für meine Schwester. Ein Wasserglas, das aus dem Unterteil einer recycelten Flasche bestand. Ich hätte mir auch eins kaufen sollen. Das Wetter war toll. Eisekalt, aber sehr sonnig. Später fanden wir in der wundervollen Unicorn Boutique je einen Schal für viel zu viel Geld. Tja what happens in Amsterdam stays in Amsterdam. Die Boutique ist voll bis zur Decke mit tollen Dingen. Schals, Kleidung, Kleinkram, Geschirr. Die Besitzerin ist unglaublich hilfsbereit und freundlich. Absolut Zucker. Mein erworbener Schal ist blau und hat stilisierte Schleifen in orange-rot Tönen drauf. Hach…
Von der Besitzerin bekamen wir auch den Tip uns den Farmers-Market anzusehen und unbedingt den besten Apfelkuchen ganz Amsterdams im Winkel zu essen. Und wenn es um Apfelkuchen geht, wird nicht lange gefacktelt.

   
   
Auf dem Markt haben wir Käse und geräucherte Makrele als Mitbringsel erworben und uns dann schnell zu besagtem Mekka des Apfelkuchen zu begeben. Ich danke der Ladenbesitzerin bis heute für diesen Tip. Dieser Apfelkuchen war ein Gedicht. Ich habe selten einen so guten Kuchen gegessen. Winkel war brechend voll und ständig kamen neue Menschen herein. In der kurzen Zeit, in der wir unseren Kuchen aßen, gingen mindestens 4 komplette Kuchen über die Theke.
So gestärkt fühlten wir uns bereit, um uns am Anne Frank Haus anzustellen. Wir haben vorher gehört, dass es Stunden dauern kann. Ich glaube wir haben eine knappe halbe Stunde angestanden, bis wir rein konnten. Das Anne Frank Haus war tatsächlich das einzige, was ich in Amsterdam unbedingt sehen wollte. Ich habe das Tagebuch der Anne Frank vor Jahren gelesen und habe mich immer gefragt, wie das Hinterhaus wohl aussieht. Es war ein komisches Gefühl über die gleichen Böden zu laufen, gleichzeitig aber auch ein gutes es gesehen zu haben. Richtig traurig wurde ich bei einem kleinen Film am Ende. Eine Freundin von Anne, die sie im KZ wieder getroffen hat, erzählte von der Zeit in Bergen-Belsen. Sie glaubt, dass Anne noch weiter gekämpft hätte und vielleicht noch leben würde, wenn sie gewusst hätte, dass ihr Vater immer noch am Leben ist.
Mit den vielen Informationen und Gedanken im Kopf fuhren wir zurück zum Hotel und aßen dort unsere eingekauften Leckereien.


(Foto Bella)
Der Sonntag fing an, wie der Samstag endete. Mit Wind und Kälte. Nachdem wir unsere Koffer am Hauptbahnhof eingeschlossen hatten, fuhren wir zum I amsterdam Schriftzug, der irgendwo in der Landschaft stand um ein Paar Fotos zu machen. Danach ging es zum Blumenmarkt. Schließlich muss man aus Amsterdam unbedingt Tulpen mitbringen. Ich kaufte eine große gemischte Tüte, die ich später als Mitbringsel aufteilte. Ich bin schon gespannt wer die schwarzen und dunkel blauen Tulpen abbekommen hat.


Wir schlenderten noch ein wenig durch die Stadt, aßen Pommes, gingen von einem Geschäft ins nächste, damit es nicht zu kalt wurde und machten eine Kanaltour mit dem Boot. Und dann hieß es schon Abschied nehmen.
Bis zum nächsten Mal Amsterdam und dank u wel.

ein tag in köln

  
Als ich vor zwei Wochen nach Amsterdam gefahren bin, habe ich einen Zwischenstop in Köln eingelegt, wo meine Freundin Bella zeitweise wohnt. Schon bei der nächtlichen Einfahrt in die Stadt hatte ich einen tollen Blick auf den Dom. Der Kölner Dom, eins der höchsten Kirchenbauten der Welt. Von Menschenhand erbaut, Stein für Stein. Allerdings musste ich mich noch gedulden, bis ich ihn im Hellen sehen konnte, denn erst nachdem wir aus Amsterdam zurück waren, hatte ich noch einen Tag in Köln, um die Stadt zu erkunden und den Dom zu sehen.

   
Gestartet haben wir den Tag im bezaubernden Petit Noir. Einem kleinen Café in Sülz, in dem man nicht nur tollen Milchkaffee, sondern auch leckere Sandwiches und Croissants mit Marmelade bekommen kann. Die Bedienung ist auch super freundlich. Wenn wir nicht so viel vorgehabt hätten, wäre ich vermutlich ewig sitzen geblieben. Aber so ging es gestärkt auf zum Dom. Mein Must-do für Köln. Und ich muss sagen, ich bin beeindruckt. Im ersten Moment denkt man noch “Mhm,…hab ich mir irgendwie größer vorgestellt”, aber wenn man sich vor Augen führt, dass das alles von Menschen gebaut wurde, ohne elektrische Maschinen und alles aus körperlicher Kraft heraus. Das ist schon beeindruckend.
Im Dom wurden gerade die letzten Vorbereitungen für das Mittagsgebet getroffen und auch wenn ich nicht gläubig bin, wollte ich mir das nicht entgehen lassen. Es hat sich gelohnt. Allein die Orgel war wahnsinnig schön anzuhören. Nach dem Gottesdienst schlenderten wir durch das Kreuzschiff und erhaschten einen Blick auf den tollen Boden im Chorumgang. Nach einer knappen Stunde flüchteten wir allerdings wieder in dieSonne, denn war ist furchtbar kalt. Man bekommt eine Ahnung davon, wie kalt es selbst im Sommer sein muss.

   
Nachdem wir eine gemeinsame Freundin eingesammelt haben, die auf der Durchreise in Köln Halt machte, um sich mit uns zu treffen, schlenderten wir zu dritt durch Köln auf der Suche nach einem schönen Café. Ich weiß nicht mehr wo wir letztendlich landeten, aber der Kuchen war toll und wir saßen mehrere Stunden und quatschten. Leider sehen wir uns viel zu selten und haben dann immer viel nachzuholen. Und so vertratschten wir den Nachmittag, bis Sarah wieder fahren musste und Bella und ich alleine zurück blieben. Nach einer kleinen Erholungspause und Überredungskünsten bei Bellas Mitbewohner zogen wir zu dritt los, damit das arme hessische Mädchen (ich) mal richtige Kölner Kneipenkultur kennen lernt. Und so kam es dann, dass ich mich im Hinterraum eines Gasthauses mit Kölsch und Himmel un Ääd wieder fand. Das muss man mir ja lassen, wenn ich was mache, dann richtig.
Letztendlich bleibt mir über Köln nur folgendes Urteil. Die Stadt mag objektiv betrachtet nicht die hübscheste sein. Aber ich mag sie und die Menschen machen mit ihrer offenen und ehrlichen Art alles wett.

hamburg, meine perle

Endlich, endlich. Endlich wieder Hamburg. Endlich wieder ein paar schöne Tage im Oktober in der schönsten Stadt der Welt verbringen, am Elbstrand spazieren gehen, durch die Läden bummeln. Und endlich meine Freundin Cathrin wieder sehen.
Seit einigen Jahren gehört Hamburg zu meinem absoluten Muss für ein gelungenes Jahr. Das erste Mal war ich 2006 da und es war Liebe auf den 1. Blick. Der Hafen, der Wind, der Elbstrand, die Schanze, Silvester im strömenden Regen auf irgendeinem Müllberg zu stehen. Ich kann und ich will nicht mehr ohne Hamburg sein.
Auch dieses Mal hatte ich eine sehr schöne Zeit. Und das obwohl immer irgendwas passiert, wenn Cathrin und ich zusammen sind. Verrückte fallen uns an, Autos verschwinden, Handys gehen verloren, wir laufen 4 Stunden im Regen durch die Gegend, weil ein gewisser Jemand keine 12 Minuten auf den Bus warten wollte, solche Dinge eben. Abgesehen von diesen Dingen, ist es immer schön und vor allem ruhig. Wir haben lange Spaziergänge gemacht, unglaublich leckere Quiche gegessen, Freunde getroffen, eingekauft und ganz viel geschnackt.

Und dann war es wieder viel zu schnell vorbei und ich musste Cathrin und der Elbe tschüss sagen. Aber ich komme wieder und irgendwann komme ich für immer.